#buchpassion Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

An diesem Wochenende steht ein Teil der Literaturblogwelt ganz unter dem Hashtag #buchpassion. Janine vom Blog Kapri-ziös hat sich diese schöne Onlineaktion überlegt, um das Medium Buch auf allen Kanälen zu feiern. Von heute bis Sonntag wird es auf verschiedenen Blogs ganz persönliche Beiträge zur #buchpassion geben. Höhepunkt der Aktion wird ein Twitter-Lesemarathon von Samstagfrüh bis Sonntagabend sein. Zahlreiche Autor*innen und Verlage sind mit von der Partie (einige mit tollen Gewinnspielen!). Näheres erfahrt ihr hier.

Bei #buchpassion soll es um die Frage gehen, warum ich Bücher liebe und wie ich zum Lesen gekommen bin. Da ich darüber in einem früheren Beitrag schon berichtet habe, fasse ich das Thema der Onlineaktion nun ein bisschen weiter. Ich werde deshalb von meiner Begeisterung für ein ganz bestimmtes Buch schreiben, und zwar im Stil meiner FreundInnen lesen-Reihe. Das Buch, welches ich euch vorstellen möchte, ist eines DER Bücher meiner Jugend: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo von Christiane F.

#buchpassion Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Christiane F.
Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
stern Buch (Gruner + Jahr)
1978

Das Besondere?

Das Besondere und zugleich Erschreckende an diesem Buch ist die Tatsache, dass all die Schilderungen tatsächlich passiert sind. Ich weiß noch, wie ich mich fühlte, als ich Wir Kinder vom Bahnhof Zoo zum ersten Mal las. Ich muss zwischen 14 und 16 Jahre alt gewesen sein, also mitten in der Pubertät. Damals las ich von diesem Mädchen Christiane F., das sich bereits mit 13 Jahren zum ersten Mal Heroin spritzte, und war schockiert. Aber auch fasziniert. Mich beeindrucken solche „menschlichen Schicksale“, auch wenn dieser Terminus einen abgedroschenen Beigeschmack trägt. Es gibt mir einen besonderen Kick beim Lesen, mich in die drogenabhängige Christiane hineinzudenken und mit ihr gemeinsam durch Sucht, Entzug und Prostitution zu gehen. Das ist für mich eine wichtige Qualität von Literatur: Sie macht Erfahrungsräume für mich greifbar, die ich in der Realität lieber nicht selbst durchleben möchte. Eine weitere Besonderheit ist das Setting der Handlung. Der Bahnhof Zoo in Berlin. Für mich, aufgewachsen in der Nähe von Berlin, ein realer und erreichbarer Ort, der seit diesem Buch einen mythischen Touch bekommen hat.  Noch heute muss ich unweigerlich an Christiane F. und ihre Freund*innen denken, wenn ich am Bahnhof Zoologischer Garten umsteige oder daran vorbeigehe.

Jahreszeitenlektüre?

Kann man natürlich das ganze Jahr über lesen, aber ich empfehle verregnete Herbsttage. Dieses Buch ist einerseits schockierend, trägt dabei aber auch eine große Portion Melancholie in sich. Am Ende bleibt Christianes frühe Drogensucht auch nur ein Produkt ihrer Sozialisation. Diese Tatsache hat mich beim Lesen immer wieder traurig gemacht. Also: Nehmt dieses Buch und verkriecht euch an einem grauen Novembertag damit unter eure Bettdecke.

Song zum Buch?

Natürlich David Bowies Heroes. Hier mit Szenen aus der gleichnamigen Verfilmung des Buches. Der Film ist übrigens auch sehr zu empfehlen!

Lieblingszitat?

Ich veränderte mich auch äußerlich total. Ich wurde irrsinnig mager, weil ich kaum noch was aß. Alle Hosen waren mir viel zu weit. Mein Gesicht fiel völlig ein. Ich stand viel vor dem Spiegel. Es gefiel mir, wie ich mich veränderte. Ich sah immer mehr so aus wie die anderen aus der Clique. Mein unschuldiges Kindergesicht war endlich weg.

7 Kommentare

  1. Pingback: #buchpassion – Edition: Mein Bekenntnis zum Buch 9.-11.9.2016

  2. kaprizioesblog

    Liebe Juliane,

    schön, dass du so recht kurzfristig noch einen Beitrag für #buchpassion geschrieben hast. <3
    Als ich auch etwas in dem Alter (16 irgendwas) war, las meine Cousine begierig "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Sie erzählte mir stundenlang von diesem Buch als ob sie selbst Christiane F. gewesen wäre. Mir machte das damals Angst, deshalb habe ich das Buch nie gelesen – wahrscheinlich habe ich aufgrund meiner Hasenfüßigkeit etwas verpasst!

    Janine

    • Liebe Janine,
      aber sehr gern doch! Ich fand deine Aktion einfach so cool, da musste ich mitmachen. Und es hat mir auch wirklich viel Freude bereitet, noch einmal in dieses, für meine Jugend so wichtige Buch, abzutauchen.

  3. Oh ja, das Buch ist harter Tobak. Ich habe es etwa mit 13 das erste Mal gelesen und damals noch gar nicht an mich rangelassen. Gelesen und gleich wieder vergessen. Erst zwei oder drei Jahre später stolperte ich wieder drüber, las es wieder und ließ es auch an mich ran. Da beeindruckte und berührte es mich dann auch.
    Da ging es mir dann wie dir, es ermöglichte eine Erfahrung, die ich sonst nie machen wollen würde.
    Den Film habe ich übrigens nie gesehen. Sollte ich vielleicht mal tun.
    LG Lexa

    • Liebe Lexa,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Dass du zweimal ansetzen musstest, um dieses Buch wirklich begreifen zu können, zeigt wiederum, wie unfassbar das Geschilderte ist. Mich hat die Lektüre auch erst einmal sprachlos zurückgelassen damals nach dem ersten Lesen. Aber genau das erwarte ich von einem guten Buch.
      Den Film kann ich dir wirklich empfehlen. Der ist ja nun auch schon etwas älter und ich finde es neben der Story sehr interessant, mit welcher Technik die Verfilmung gedreht wurde.

    • Liebe Nisnis,
      ein Rereading ist hier auf jeden Fall zu empfehlen. Für diesen Beitrag habe ich auch noch einmal reingelesen und wurde wieder direkt verschlungen von der Geschichte dieses jungen Mädchens. Die Thematik verliert einfach nicht an Aktualität.
      Liebe Grüße
      Juliane

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