Und sonst so? [Monatsrückblick Januar 2025]

Das Jahr startet grau, grau, grau, der Berliner Winter tut sein Bestes, um die Stadt in Tristesse versinken zu lassen. Wir gehen nun beide wieder arbeiten, und auch sonst übernehmen Arbeit und (Kinder-)Krankheiten den Alltag. Was sonst noch so los war im Januar, lest ihr hier.

Gelesen

JULIANE: Bei mir sorgt die Einschlafbegleitung des Kindes für einen Leseaufschwung zu Beginn des Jahres. Im Januar habe ich endlich Ruth-Maria Thomas’ Debüt Die schönste Version gelesen – zu Recht im letzten Jahr gefeiert auf allen Kanälen und für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Eine weitere Longlist-Nominierung 2024 gab’s bei mir (etwas late to the party): Nora Bossongs Roman Reichskanzlerplatz, über den ich mit meiner Freundin Annabelle im Podcast Brotlose Künste bald noch ausführlicher sprechen werde.

STEFAN: Das Jahr startet bei mir mit einer richtigen Lesefreude, die auch bei mir mit neuen Einschlafroutinen des Kindes zusammenhängen, wodurch hier richtig viel Zeit zum Lesen entstanden ist. So habe ich Soledad von Thorsten Nagelschmidt beendet. es war ein gutes Buch für verregnete Tage zwischen den Jahren und danach, da es die karibische Sonne ins Zimmer holt und mit ganz viel bundesrepublikanischer Geschichte mischt.

Dann habe ich Der Einfluss der Fasane von Antje Rávik Strubel gelesen. Der Roman erscheint im März und erzählt erstaunlich traditionell eine sehr aktuelle Geschichte von einem Shitstorm, der eine gestandene Feuilletonredakteurin komplett aus der Bahn wirft. Mehr dazu bei Erscheinen.

Dann habe ich den Debütroman von Ricarda Messner gelesen, Wo der Name wohnt. Er ist eine tastende Annäherung an die Familiengeschichte der Erzählerin im Angesicht des Todes ihrer Großmutter. Erinnerungen mischen sich mit Recherche, aber es ist vor allem der sanfte und warme Ton, der den Roman auszeichnet.

Als Letztes habe ich dann noch den im Herbst erschienen Roman Kommando Ajax von Cemile Sahin gelesen, der im atemlosen Stil eines Drehbuchs die Geschichte einer kurdischen Familie erzählt, die aus der Türkei nach Rotterdam flieht, doch es einfach nicht schafft, zur Ruhe zu kommen.

Gesehen

JULIANE: Der Januar war lang und dunkel, also die beste Zeit, um in die Röhre oder auf die Leinwand zu glotzen. Ich habe die norwegische Serie Pørni auf Netflix begonnen und mag sie sehr. Die alleinerziehende Mutter und Jugendamtsmitarbeiterin Pørni kümmert sich darin nicht nur um ihre beiden Töchter, sondern auch um ihren Neffen, der gerade seine Mutter verloren hat, und um ihren schrulligen Vater, der sich just zu Beginn der Staffel als schwul outet. Das alles wird unaufgeregt erzählt, in kurzen Folgen von 20-30 Minuten – absolutes Bingewatchpotenzial.

In der ARD-Mediathek kann man zur Zeit noch die Verfilmung von Christian Barons Bestseller Ein Mann seiner Klasse anschauen. Wie das Buch zeigt auch der Film auf eindrückliche und erschreckende Weise, was Armut mit Familien machen kann.

Außerdem habe ich The Outrun im Kino geschaut und bin immer noch hin und weg von Saoirse Ronan und den Orkney Islands ganz im Norden Großbritanniens. Poetisch und mit atemberaubenden Landschaftsbildern wird hier von einer alkoholkranken Frau erzählt – für mich schon jetzt ein Filmhighlight 2025.

STEFAN: Niemand kann Hugh Grant widerstehen! Vor allem nicht im neuen Horrofilm Heretic, einem klaustrophobischen Kammerspiel mit ihm als dämonischem Zeremonienmeister. Hier arbeitet er weiter daran, sein Schmuse-Image zu korrigieren, und das mit ziemlicher Bravour. Die Handlung ist ansonsten nah an Klassikern wie SAW oder Cube, also nicht allzu überraschend, aber die religiöse Grundierung macht es für mich doch besonders.

Außerdem habe ich mir die Neuverfilmung des Horror-Klassikers Nosferatu von Robert Eggers angeschaut. Der Film ist sehr stark an das Original von 1921 angelehnt und bringt vor allem moderne Tricktechnik und einen bombastischen Sound neu dazu. Leider kann das im Gesamtpaket nicht wirklich überzeugen, da alles am Ende doch irgendwie altbacken wirkt und gerade der Horror sich viel zu sehr auf erschreckendes Aussehen und mit lautem Knallen untermalte Effekte verlässt. Schade!

Ein Highlight war dagegen die Netflix-Serienadaption Ripley nach dem Roman Der talentierte Mr. Ripley von Patricia Highsmith. Die in schwarzweiß gedrehte Serie nimmt sich Zeit, um die Charaktere möglichst komplett zu zeichnen und das Geschehen in Szene zu setzen. Gerade Andrew Scott in der Hauptrolle ist brillant, auch wenn ihm das unfassbar düster und doch wunderschön eingefangene Italien leider den Rang abläuft. Allein für seine Drehorte und die tollen Bilder ist die Serie zu empfehlen, man möchte einfach sofort packen und nach Italien abhauen.

Gehört

JULIANE: Ich habe im Januar den ZEIT-Podcast Frisch an die Arbeit für mich entdeckt. Dort gibt es spannende Einblicke in ganz unterschiedliche Berufsbilder und Inspiration für alternative Karrierewege. Seitdem ich den Podcast höre, frage ich mich wieder öfter: Wie will ich eigentlich arbeiten?

STEFAN: Mit Berlin Code gibt es einen neuen Politik-Podcast von der ARD, der im Januar gestartet ist. Gehostet wird er von Linda Zervakis, die hier wohl ihr Comeback bei den Öffentlich-Rechtlichen feiert. Es geht um die Themen der Woche, die zugänglich aufbereitet werden – eben den Polit-Code entschlüsseln. Das ist unterschiedlich gut, manchmal bleibt es eben auch etwas zu sehr an der Oberfläche. Gerade der Sound von Linda Zervakis selbst ist leider vollkommen unterirdisch, die Gesprächspartner*innen sind aber meist gut aufgenommen und darüber hinaus gut ausgewählt. Hoffen wir mal, dass das noch besser wird.

Gemacht

JULIANE: Ich habe es ganz oben schon angerissen: Seit diesem Monat bin ich Teil eines Podcasts. 🙂 Als Vertretung für Franzi und zusammen mit Annabelle nehme ich ab sofort monatlich eine Folge für den Literaturpodcast Brotlose Künste auf. Zwei Folgen sind bereits online, die nächste kommt Mitte Februar. Überall, wo es Podcasts gibt – ich freue mich, wenn ihr mal reinhört.

STEFAN: Ich habe im Januar nach elf Monaten Elternzeit wieder angefangen zu arbeiten. Wahnsinn! Die Zeit war unglaublich gut, ich würde es wieder genauso machen. Der Einstieg läuft auch, klar, aber es ist schon einfach was anderes.

Kategorie Blog, Mischmasch

Aufgewachsen im schönen Brandenburg lernte ich schon früh die ländliche Einöde lieben und verteufeln zugleich. Heute kehre ich immer wieder gern heim, wohne allerdings lieber in urbanen Räumen. Lesen geht ja zum Glück überall und bietet Ausflüge in diverse Welten. Hier schreibe ich über meine Lektüren.

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