Queere Selbst(er)findung: In R-O-N=O beschreibt I.V. Nuss eine Transition als Neuerfindung des Selbst zwischen Euphorie und Schmerz.

Romane über Transitionen gibt es mittlerweile immer mehr. Zum Glück. Es sind verständlicherweise nie durchweg fröhliche Bücher, denn eine Transition ist ein Prozess voller Widerstände, im Innen wie im Außen, die sich für cis-Personen kaum nachvollziehen lassen. So schmerzhaft und greifbar wie in R-O-N=O von I.V. Nuss habe ich es aber noch nie gelesen.
Schon beim Aufschlagen des Buchs wird klar, dass es hier nicht um einen klassisch erzählten Roman geht wie noch beim Vorgänger Die Realität kommt. Was auf dem Cover noch Roman heißt, wird auf der Titelei zur Dissoziation, gefolgt von Content Warnings: Transhass, Selbstmord, Gore, Drogen, Tod. Und ja, drunter macht es R-O-N=O nicht, man könnte eher noch ergänzen: Selbsthass, Selbstverletzung, Depression. Und natürlich, aber das braucht keine CW: Furries und Sex. Flauschige Kostüme bieten einen temporären Ausweg aus einer noch verzerrten, unklaren Identität, sodass sie zu stabileren Alternativen werden.
R-O-N=O schafft es, die innere Zerrissenheit der Protagonistin so emotional greifbar zu machen, dass das Lesen wehtut. Der Text ist aber kein emotionaler Porno, der einfach nur Leid und Selbsthass ausstellt, sondern wandelt sich beständig mit jedem Kapitel und schreibt sich dabei in einen breiten Corpus von verwandten Texten zu trans Identitäten und Gender ein, was mir zugegebenermaßen aber vor allem durch die kurzen Anmerkungen am Ende klargeworden ist.
I.V. Nuss: R-O-N=O | Diaphanes | 128 Seiten | 16 Euro | Erschienen im September 2025
