Marghanita Laski: Die viktorianische Chaiselongue

Viktorianische Zeitreise: Die viktorianische Chaiselongue von Marghanita Laski ist eine Wiederentdeckung, die mit großen Vorschusslorbeeren antritt.

Laski, Die viktorianische Chaiselongue, Cover

Kafka meets Poor Things? Die Head von Die viktorianische Chaiselongue von Marghanita Laski klingt zu gut, um wahr zu sein. Eine trippigere, feministische Version von Kafkas Verwandlung schwebt einem vor, wenn man die Texte auf dem Schutzumschlag liest. Ich muss zugeben, dass mich das auch gleich bekommen hat und ich mir den 1953 erstmals erschienenen und nun von Brigitte Jakobeit zum ersten Mal ins Deutsche übersetzten Roman bestellt habe.

Und ja, es geht hier um eine Verwandlung. Eine junge Frau der aufstrebenden englischen Mittelschicht schläft nach der Geburt ihres ersten Kindes entkräftet auf einer Antiquität ein: der viktorianischen Chaiselongue, einem Spontankauf zur Einrichtung des neuen Hauses. Als sie erwacht, befindet sie sich im Körper einer anderen Frau, 90 Jahre zuvor, im viktorianischen England, weit weg vom Komfort ihrer eigenen Gegenwart. Gefesselt an den fremden Körper sucht sie nach einem Weg zurück.

Das alles hört sich grundsätzlich gut an, aber für mich nimmt der kurze Roman einfach nie richtig Fahrt auf. Alles erscheint hier irgendwie mühselig und zu lang, und das auf gerade mal 144 Seiten. Der Horror der vertauschten Körper stellt sich für mich einfach nicht ein, er kommt emotional nicht an. Vielleicht reichte mir die kurze Strecke nicht, um mich auf den sehr langsamen Stil von 1953 einzustellen, vielleicht war ich auch einfach nicht in Stimmung. In jedem Fall war Die viktorianische Chaiselongue für mich eine Enttäuschung, da ich mit dem kurzen Roman einfach nicht warm geworden bin.

Marghanita Laski: Die viktorianische Chaiselongue | Aufbau | Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit | 144 Seiten | 24 Euro | Erschienen im November 2025

Kategorie Blog, Rezensionen

Ich bin im Niemandsland von NRW zwischen Tagebauten und Kraftwerken aufgewachsen, da gab es nur wenige Argumente gegen ausgiebiges Lesen, um der Tristesse zu entkommen. Dann ging es nach Aachen, später nach Köln, dann nach Göttingen und nun lebe ich in Berlin und arbeite als Buchhersteller. Nebenbei spiele ich noch in Bands, meine zweite Leidenschaft ist ganz klar die Musik! Oder doch Kochen und Essen? Schwer zu sagen.

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