Und sonst so? [Monatsrückblick März 2026]

Sonne ohne Ende prägt den März, dazu gibts schon ein wenig Aprilwetter als kleine Vorschau. Mit der Buchmesse in Leipzig steht auch schon das erste große Literaturevent auf dem Programm. Was sonst noch so los war im März, lest ihr hier.

Gelesen

JULIANE: Mein Lesemonat begann mit einem Buch, das mich in Erinnerungen an eine gemeinsame Reise mit Stefan nach Bukarest schwelgen ließ. In Ortswechsel Bukarest. Ein Stadttagebuch führen die Autorinnen Arinda Crăciun und Eva Ruth Wemme mit ihren Texten durch die Geschichte und Architektur der rumänischen Hauptstadt – gespickt mit wundervollen Illustrationen und einem Fokus auf die Frauen der Stadt. Ein Muss für den nächsten Bukarest-Trip!

Außerdem habe ich mal wieder ein deutschsprachiges Debüt gelesen: Nacktschnecken von Annemarie Andre. Darin schreibt die Autorin aus Kinderperspektive über das Aufwachsen in einer Familie mit wenig finanziellen Mitteln. Bei all der Härte des Themas mochte ich das Buch wirklich sehr, weil es gut geschrieben ist und mal wieder zeigt, dass Kindern die eigene Armut oft erst so richtig bewusst wird, weil sie sie von außen gespiegelt bekommen.

STEFAN: Ich habe schon ein Jahreshighlight gelesen, glaube ich. Und zwar Anti Müller von Yade Yasemin Önder, ein ebenso wütender wie verzweifelter Roman über Kinderwunsch und die Unmöglichkeit, den geeigneten Mann dazu zu finden in einer Welt ohne Commitment. Diese Stimme vergisst man so schnell nicht, versprochen!

Danach habe ich Der Gräber von Hendrik Otremba gelesen, eine düstere Dystopie im 22. Jahrhundert, die einen der letzten Menschen auf der sterbenden Erde in den Mittelpunkt stellt. Sosehr die apokalyptische Atmosphäre mich eingenommen hat und als ätzender Kommentar auf die aktuelle Politik funktioniert, hat mir hier doch etwas Stringenz und Handlung gefehlt. Ich hätte mir eine Konzentration auf die Stärken des Romans gewünscht, um ihm mehr Dringlichkeit und Prägnanz zu verleihen.

Gesehen

JULIANE: Im Februar und März sind wir in das Langzeit-Dokumentarfilmprojekt Berlin – Ecke Bundesplatz abgetaucht, das mir meine Arbeitskollegin netterweise auf DVD(!) ausgeliehen hat. Von 1986 bis 2012 haben die Filmemacher Hans-Georg Ullrich und Detlef Gumm die Lebensrealität der Bewohner*innen eines Wohnviertels am Bundesplatz in Berlin-Wilmersdorf mit der Kamera begleitet. Herausgekommen sind berührende, witzige, traurige, aber teils auch dahinplätschernde Porträts von ca. 30 Protagonist*innen. Ein spannendes Zeitzeugnis – auch in Hinblick auf die Deutschen Wiedervereinigung aus Westberliner Sicht –, das Stefan und ich sehr gern geschaut haben.

Ein großes Seh-Highlight ereignete sich dann noch zum Ende des Monats, als wir auf Einladung von Jetzt und Morgen die Preview von Siri Hustvedt – Dance Around the Self im neu eröffneten Kino International schauen durften. Filmemacherin Sabine Lidl hat damit einen eindringlichen, berührenden und so klugen Dokumentarfilm über die Autorin geschaffen, dass ich am Ende ein paar Tränchen verdrücken musste.

STEFAN: Ich habe mich mit New Amsterdam an eine Krankenhausserie gemacht, die alles mitbringt, was es so braucht zum endlosen Durchsuchten. Liebenswerte Charaktere mit Ecken und Kanten, viele Probleme, die praktisch immer im Team gelöst werden, und natürlich ganz viele Staffeln. Das Ganze nutzt sich spätestens ab Staffel drei ganz schön ab, aber die ersten beiden sind schon sehr zu empfehlen.

Gehört

JULIANE: Half His Age (Ü: Olivia Kuderewski) von Jennette McCurdy war Anfang des Jahres gefühlt in aller (Instagram-)Munde und so wollte auch ich mitreden und habe mich zum Buddylistening mit meiner Freundin Annabelle verabredet. Ich habe mich von der Schülerin-verführt-Lehrer-und-ermächtigt-sich-am-Ende-selbst-Story sehr unterhalten gefühlt, aber mehr auch irgendwie nicht. Einiges war mir zu klischeehaft, anderes erschien mir unlogisch. Wer wissen will, wie Annabelle das Hörbuch gefallen hat und ob wir einer Meinung sind, kann unser Gespräch über Half His Age in der kommenden Folge von Jerne jelesen nachhören.

STEFAN: Im März gab es ein großes Jubiläum, die Lage der Nation ist zehn Jahre alt geworden. Unvorstellbar! Die große Sause fand standesgemäß im Friedrichstadtpalast zu Berlin statt, ich hatte ein Ticket – aber leider kamen mir die Buchmesse und Kinderbetreuung dazwischen. Dann war es zumindest eine Spende, na ja, es gibt Schlimmeres. Aber ganz großen Glückwunsch an die beiden für großen Einsatz und freien Journalismus in Bestform.

Gemacht

JULIANE: März = Leipziger Buchmesse, und ich bin mal wieder mit einer Mischung aus Arbeits-, Bloggerinnen- und Privatterminen zwei Tage lang durch die Messehallen gelaufen. Nett war’s, aber der Spielplatz am Samstag danach hat sich verglichen mit der Messe wie eine sehr reizarme Umgebung angefühlt. In der Woche drauf wurde es dann zum Glück noch reizärmer. Mit meiner Freundin Anika ging es für zwei Nächte in eine kleine Cabin mitten auf dem Land mit den besten Nachbarn der Welt: einer Schafherde. Eine perfekte Auszeit, die wir bald schon wiederholen möchten.

STEFAN: Ich war endlich mal wieder auf einem Konzert (bei dem ich mich nicht verplant hatte) und wurde nicht enttäuscht. In der Berghain Kantine haben mich Rauchen und Hugging richtig begeistert. Rauchen mit ihrem rotzigen Postpunk und Hugging mit ihrer ziemlich einmaligen Mischung aus ungewöhnlichem Hardcore und an Björk erinnernden Gesang mit vollem Einsatz. Großartig!

Kategorie Blog, Mischmasch

Ich bin im Niemandsland von NRW zwischen Tagebauten und Kraftwerken aufgewachsen, da gab es nur wenige Argumente gegen ausgiebiges Lesen, um der Tristesse zu entkommen. Dann ging es nach Aachen, später nach Köln, dann nach Göttingen und nun lebe ich in Berlin und arbeite als Buchhersteller. Nebenbei spiele ich noch in Bands, meine zweite Leidenschaft ist ganz klar die Musik! Oder doch Kochen und Essen? Schwer zu sagen.

Kommentar verfassen