FreundInnen lesen #4: Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif

Es ist wieder soweit: FreundInnen lesen geht in die vierte Runde! Dieses Mal beehrt uns der liebe Stefan mit einer Buchempfehlung. Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif ist der zweite Roman des in Berlin lebenden Autors Jörg Albrecht und kommt rein äußerlich ziemlich poppig und spacig daher. Warum Stefan dieses Buch so sehr mag, erzählt er uns im Folgenden. Vorhang auf:

Stefan_Sternstaub_Goldfunk_Silberstreif

Jörg Albrecht
Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif
Roman
Wallstein Verlag
2008

Das Besondere?
Das Buch ist immer genauso genial wie bescheuert, bringt Popkultur und Geschichte, grellste Phantasie und trockene Fakten zusammen und lässt sie sich in einen Rausch tanzen, dass die Fetzen nur so fliegen. Ein Einfall jagt den nächsten, überholt ihn, schlägt einen Haken und rast frontal in den nächsten Ideenspeicher, der mit einem Feuerwerk hochgeht.
Was das alles bedeutet? Alles und nichts. Das Buch nimmt die Leser_innen mit auf eine assoziative Reise durch die Geschichte der deutschen Raumfahrt, von zaghaften Gedanken im 16. Jahrhundert über den Größenwahnsinn des Nationalsozialismus und die stylische Tristesse von Raumschiff Orion bis hin in eine knallbunte Zukunft.
Erzählt wird das Ganze in einer Art Poetik des Klicks, die sprunghaft von einem Thema zum nächsten übergeht und die Leser_innen oft staunend zurücklässt.

Jahreszeitenlektüre?
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das hier ist keine locker-leichte Reiselektüre, das Buch fordert viel, gibt aber genauso viel zurück. Vielleicht ist es am ehesten für verregnete Tage und Nächte geeignet.

Song zum Buch?
Im Buch geht es tatsächlich auch sehr viel um Musik, alle Themen und Zeiten werden von ihren eigenen Soundtracks begleitet und immer wieder Songtexte zitiert.

Drei Empfehlungen aus dem schier unendlichen Fundus:

Erstmal zum Warmwerden:
Raumschiff Orion: OST

Dann kurzes Innehalten:
David Bowie: Space Oddity

Und dann Lostanzen:
Klaxons: Gravity’s Rainbow (!)

Lieblingszitat?
Mehr ein Beispiel als ein Lieblingszitat:
Was nun folgt, in den Achtzigern: die Space Disco auf den Ringen des Saturns. Dagegen ist das Starlight Casino der Orioncrew gar nichts! ruft Martyn und streckt den Zeigefinger in die Luft. Am Eingang zu den Tanzflächen tragen sich alle drei Astronauten per Fingerabdruck in das Gästebuch ein und werden schnell biometrisch fotografiert, damit sie beim nächsten Besuch hier direkt mit Namen angesprochen werden können, so wie alle anderen, die immer wieder herkommen: Reinhard Furrer, Sigmund Jähn, Ulf Merbold, Wubbo Ockels, Walerie Bykowski, Ijon Tichy, Perry Rhodan, Randy Perkins, Jan Tenner, aber auch Sandmännchen Ost und Sandmännchen West.

Vielen Dank, lieber Stefan!


ACHTUNG, ACHTUNG, EINE DURCHSAGE
Da Stefan nicht nur auf abgedrehte Romane steht, sondern sich auch gern mal kritisch mit Büchern auseinandersetzt, wird es in Zukunft ganz sicher einen Gastbeitrag von ihm (am 17. August 2016), aber vielleicht auch mehrere geben. Ich freue mich sehr über diese Unterstützung und ihr dürft gespannt sein auf frischen Autorenwind im Poesierausch.


 

 

Kategorie Blog, FreundInnen lesen, Indiebooks
Autor

Aufgewachsen im schönen Brandenburg lernte ich schon früh die ländliche Einöde lieben und hassen zugleich. Heute kehre ich immer wieder gern heim, wohne allerdings lieber in urbanen Räumen. Beruflich bin ich im Sachbuch unterwegs, nach Feierabend widme ich mich dann der Belletristik und schreibe hier über meine Lektüren.

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