Familiengeschichte: In Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten von Anna Maschik wird es dunkel um eine Familie, in der jeder für sich zu bleiben scheint.

Karg geht es zu in Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten von Anna Maschik. Die Sprache, die Kapitel sind auf das Nötigste verknappt, manchmal scheint die Sprache zu versagen angesichts der überbordenden Gewalt des Dargestellten. Doch immer wieder lodert etwas Magie auf, die Farbe in die Dunkelheit dieser Familiengeschichte bringt, welche Urenkelin Alma aus Österreich bis zu ihrer Urgroßmutter an der Nordsee erzählt.
Auf einem Bauernhof an der Nordsee beginnt es, mit Henrike und im Jahr 1900, und die Geschichte bewegt sich von dort bis nach Österreich, wohin Henrikes Tochter nach dem Zweiten Weltkrieg umsiedelt. Alma erzählt die Geschichte ihrer Familie kurz und knapp auf Grundlage der spärlichen Informationen, die sich finden lassen, und dichtet hier und da hinzu, was fehlt. Es sind wohl die Kargheit der Informationen wie deren lebensfeindlich anmutende Kälte, die immer mehr Magie in die Erzählung strömen lassen. So wird ein Onkel zum Möbelstück oder ein Urgroßonkel 15 Jahre lang schlafen lassen.
Der Roman erinnert mit seiner Sprache, den extrem verkürzten Kapiteln und den wortwörtlichen Wiederholungen, die die Fortschreibung des immer Gleichen in der Familie wie der patriarchalen Welt betonen, an den Film In die Sonne schauen. Ebenso erscheint er wie eine deutschsprachig-karge Version von Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez.
Doch für mich erreicht der Roman nie die Tiefe dieser Prä- oder Intertexte, denn der ihm eingeschriebene Determinismus kann den Figuren in all seiner Kargheit und Härte kein Profil verleihen, alles bleibt – Magie hin oder her – an der Oberfläche und damit wenig emotional. Nichtsdestotrotz bleiben ein paar großartige Szenen im Gedächtnis, die Lust auf mehr machen.
Anna Maschik: Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten | Luchterhand | 240 Seiten | 23 Euro | Erschienen im September 2025
