Brennen für das Leben: In Brennen von Daniel Donskoy geht es um den unbedingten Willen zum Leben und die große Frage, wie dieses Leben aussehen soll.

Eine Schauspielschule in London, eine in New York, ein Anwesen in der italienischen Provinz, ein Gesundheitscenter irgendwo vor Moskau, eine Vorstadt von Tel Aviv – alles Orte, an denen Episoden des Romans Brennen von Daniel Donskoy spielen. Das Buch ist ein wilder Ritt, ein Roadtrip, der das Leben des Protagonisten an verschiedenen Stationen zeigt. Immer stehen sie für einen bestimmten Punkt im Leben, eine Wegmarke hin zu sich selbst und dem Leben, das er eigentlich führen will.
Der Roman hat keinen klassischen Plot, er wird vielmehr von Anekdoten zusammengehalten, die sich anfangs chronologisch aneinanderreihen. Die Episoden verbindet ein großer Drang zu erzählen, ein Drang nach Leben, nach Erlebnissen. Grundsätzlich finde ich es immer gut, wenn ein Buch von so einem starken Drang getrieben ist. Hier schießt dies aber gerade sprachlich für mich oft übers Ziel hinaus. Es sind zu viele Adjektive, zu viele effekthaschende rhetorische Figuren und vermeintlich große philosophische Fragen, zu viel Pointe. Der Inhalt hat aber doch etwas so fesselndes, das mich bis zum Schluss bei der Stange gehalten hat.
Und das hat sich gelohnt, denn für mich ist der Schluss in der Vorstadt von Tel Aviv, kurz vor dem Schulabschluss, mit Abstand der stärkste Teil des Romans. Er unterscheidet sich klar von der anekdotischen Erzählweise der vorherigen Geschichten. Hier geht es nicht um eine möglichst knallig erzählte Episode mit Pointe, sondern um ein eher nachdenkliches Coming-of-Age. Das ist an sich zwar weniger einzigartig, aber nur hier wirkt der Roman durch seine verletzliche Nacktheit wirklich nahbar und authentisch, und gerade darin scheint mir noch viel Potenzial zu liegen.
Daniel Donskoy: Brennen | KiWi | 320 Seiten | 23 Euro | Erschienen im Oktober 2025
