10 Indiebooks für eine vielfältige Literaturlandschaft

Der Bundesgerichtshof hat im vergangenen April ein folgenschweres Urteil für viele kleine und mittelständische Verlage, die unabhängig von Konzernen agieren, gefällt. Bisher waren diese Indie-Verlage an den Ausschüttungen für physische und digitale Kopien urheberrechtlich geschützter Werke durch die VG (Verwertungsgesellschaft) Wort beteiligt. Der BGH urteilte nach einer Klage eines Autors, dass diese Ausschüttungen von nun an nicht mehr unter die Verlage, sondern an die Autor*innen verteilt werden. Hinzu kommt, dass die Indie-Verlage die bisher einkassierten Gelder der VG Wort zu einem Großteil zurückzahlen müssen. Das könnte das Ende für die in Deutschland einzigartige, vielfältige Verlagslandschaft bedeuten.

Die Kurt-Wolff-Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene trifft den Nagel auf den Kopf, wenn sie in ihrer Stellungnahme zum VG Wort-Urteil das Horrorszenario wie folgt beschreibt:

Die Rückzahlungsforderungen, die nun anstehen, lassen bereits die größten deutschen Verlagsgruppen schwitzen. Sie werden einige unserer unabhängigen Kolleginnen und Kollegen jedoch derart treffen, dass sie wahrscheinlich in die Insolvenz gehen müssen.

Ein trauriges Fazit, vor dessen Eintreten es mir schon jetzt graut. Aber zum Glück gibt es ja auch noch uns. Uns Büchermenschen. Umso mehr liegt es jetzt in unseren Händen, die kleinen Verlage zu unterstützen und zu stärken. Der Kollektivblog We read indie zeigt schon seit geraumer Zeit, wie vielseitig die Programme der Indie-Verlage sind und regt seine Leser*innen zum Kauf an. Und genau das ist es, was wir jetzt tun können: Indiebooks kaufen und damit die unabhängigen Verlage unterstützen. Die Kurt-Wolff-Stiftung sieht das ähnlich:

Und wir bitten die Leserinnen und Leser: Unterstützen Sie uns, unterstützen Sie die Autorinnen und Autoren, indem Sie Bücher von unabhängigen Verlagen kaufen – und lesen. Denn erst das gelesene Buch macht die Arbeit der Urheberinnen und Urheber und der Verlage sinnvoll!

Unter dem Hashtag #wereadindie ruft Sophie von Literaturen nun alle Blogger*innen dazu auf, Werbung für Indie-Verlage und die Erhaltung unserer bunten Verlags- und Literaturlandschaft zu machen. Beiträge solcher Art gibt es u. a. schon auf Schöne Seiten, lustauflesen.de und Sätze & Schätze.

In diesem Beitrag gesellen sich nun auch Stefan und ich mit unseren 10 Indiebook-Empfehlungen zu den bloggenden Unterstützer*innen der Indie-Verlage hinzu.

Wir empfehlen euch 10 Indie-Verlage

Juliane empfiehlt:

Finn-Ole Heinrich: Gestern war auch schon ein Tag. Meine allererste Rezension auf dem Blog galt diesem Erzählungsband. Und noch heute, über zwei Jahre danach, kann ich euch Gestern war auch schon ein Tag nur wärmstens ans Herz legen. Die acht Kurzgeschichten von Finn-Ole Heinrich erzeugen ganz unterschiedliche, oft melancholische Welten, in die es sich lohnt, einzutauchen. (mairisch Verlag)

Juri Sternburg: Das Nirvana Baby. Kleines, hübsches Buch – große Wirkung. Hauptfigur Paul will Amok laufen, weil er diese Welt voll Pseudokritik, die tatenlos bleibt, nicht mehr erträgt. Doch zunächst will er ein Bekennerschreiben verfassen. Das wird nur leider nichts. Das Nirvana Baby ist eine harsche Kritik an unserer konsumorientierten, neoliberalen Gesellschaft. (Korbinian Verlag)

Anke Stelling: Bodentiefe Fenster. Protagonistin Sandra ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in einem Wohnprojekt. Zudem gehört sie zu den Töchtern der 68er-Mütter-Generation. Schwarzhumorig erzählt Anke Stelling, wie Sandra sich an ihren eigenen Idealen abarbeitet und das ein oder andere Mal dabei scheitert. (Verbrecher Verlag)

Mireille Zindel: Irrgast. Bei diesem Buch hat mich die Motivik am meisten beeindruckt. Mireille Zindel bedient sich hier in der Ornithologie und verwendet das Irrgast-Motiv als Folie für ihren Debütroman. Ganz nebenbei schreibt sie eine spannende, krimiähnliche Story mit überraschendem Ende. (Salis Verlag)

Lydia Daher / Warren Craghead III: Kleine Satelliten. Dieses Buch ist ein wahres Schmuckstück, bei dem es sich nicht nur um einen einfachen Lyrikband handelt, sondern um eine Graphic Poetry. Die deutsche Lyrikerin Lydia Daher ließ ihre Verse zunächst ins Englische übersetzen und schickte sie dann zum Comiczeichner Warren Craghead III in die USA. Dieser illustrierte die Gedichte mit seinen luftig-leichten Bleistiftzeichnungen. Herausgekommen dabei ist eine beeindruckende Gesamtkomposition, ein wahrer Augenschmaus. (MaroVerlag)

Stefan empfiehlt:

Emmanuel Carrère: Alles ist wahr. Ein ebenso erschütternder wie mitreißender, ganz in Carrères Manier wunderbar geschriebener Tatsachenbericht über die große Tsunami-Katastrophe von 2004. Schon fast in Vergessenheit geraten, holt das Buch die Katastrophe schnell wieder zurück ins Bewusstsein der Lesenden und erinnert auch daran, dass bis heute nicht alle Folgen ausgestanden sind. (Matthes & Seitz Berlin)

Robert Seethaler: Der Trafikant. Der Junge Franz Huchel vom Dorf kommt 1937 nach Wien, um eine Ausbildung zum Trafikanten – hochdeutsch: Kioskbetreiber – zu machen. Dabei lernt er neben dem Trafikanten und seiner ersten großen Liebe Anezka den Stammkunden Sigmund Freud kennen. Dann folgt der „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 und die ganze Welt Franz Huchels – und nicht nur seine – gerät ins Wanken. (Kein & Aber)

Teresa Präauer: Johnny und Jean. Ein Künstlerroman, der mindestens genauso kunstvoll mit der Sprache hantiert wie seine Protagonisten mit Zeichenkohle, Pinsel und Bleistift. Coming-of-age trifft Psychogramm. Realität und Traum verschwimmen in der fast märchenhaften Erzählweise zu einem unlösbaren, lustvollen Knäuel. (Wallstein Verlag)

Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis. Gewinner des Deutschen Buchpreises 2016 und nächstes Buch auf meinem Lesestapel. Ich bin sehr gespannt, wie der Autor in seiner Novelle Liebe, Flucht und Elend miteinander verwebt und ob die zahlreichen Blurbs, an denen ich nicht vorbeisehen konnte, nicht zu viel versprechen. (Frankfurter Verlagsanstalt)

Daniela Seel, Anja Bayer (Hg.): all dies hier, Majestät, ist deins · Lyrik im Anthropozän. Anthologie. Ich lese viel zu wenig Lyrik, denke immer nur: „Da hab ich keine Zeit zu!“ Diese toll gestaltete und erstklassig besetzte Anthologie soll das ändern. Grobe inhaltliche Klammer ist die Frage, ob der Mensch der Erde mittlerweile einen so starken Stempel aufgedrückt hat, dass man vom „Anthropozän“, dem Zeitalter des Menschen, sprechen kann, und wie sich dies in unserer Umwelt niederschlagen mag. Ich bin sehr gespannt. (kookbooks)

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