Und sonst so? [Monatsrückblick Mai 2021]

Im Mai hätte eigentlich die Leipziger Buchmesse stattfinden sollen. Genauso hätte es langsam auch mal warm werden können. Nichts ist so wirklich eingetreten – wir können einfach nicht besser klagen. Was sonst noch so los war im Mai, lest ihr hier.

Gelesen

STEFAN: Endlich ist es raus. Auf guten 500 Seiten bin ich in den letzten Wochen tief in Hegels Welt von Jürgen Kaube abgetaucht. Es war gut, auch mal überfordernd, mal spannend, mal langweilig, aber in jedem Fall bereichernd. Ich bin gespannt, ob das für den Gewinn des Deutschen Sachbuchpreis reichen wird. Außerdem habe ich Die Hauptsache von Hilary Leichter gelesen, eine abgrundtief böse Abrechnung mit dem US-amerikanischen Kapitalismus. Leider hinten raus auch etwas quälend zu lesen, aber die Idee allein ist es einfach wert.

JULIANE: Auch ich habe ein Buch gelesen, das für den Deutschen Sachbuchpreis 2021 nominiert ist – Betrachtungen einer Barbarin von Asal Dardan – und war sehr beeindruckt von diesem klugen Memoir. Außerdem habe ich endlich meine erste KiWi-Musikbibliothek gelesen, Madonna von Lady Bitch Ray, sowie den neuen Roman von Shida Bazyar. Da ihr Debüt Nachts ist es leise in Teheran zu meinen Lieblingsbüchern zählt, habe ich mich ganz besonders auf Drei Kameradinnen gefreut.

Gesehen

JULIANE: Lange wurde mir dieser Film von Freund*innen schon empfohlen, jetzt haben Stefan und ich ihn endlich geschaut: Mommy aus dem Jahr 2014 vom frankokanadischen Regisseur Xavier Dolan, gedreht im 1:1-Format. Ein sehr spezieller, ein kunstvoller, ein unglaublich berührender Film über eine alleinerziehende Mutter, die in ärmlichen Verhältnissen versucht, mit ihrem schwierigen Teenagersohn klarzukommen. Lange nicht mehr so was Tolles gesehen – und dazu mit einem super Soundtrack!

STEFAN: Endlich gibt es die zweite Staffel von Special! Die Netflix-Serie um Ryan, einem schwulen Mittzwanziger mit infantiler Zerebralparese in L.A., ist einfach perfekt. Sie behandelt vor allem Ableismus, aber beschränkt sich in keiner Weise darauf. Sie schafft es, Gesellschaftskritik, Liebe, Freundschaft und das Verhältnis zu den Eltern zusammenzupacken und eine ebenso spaßige wie berührende und zum Nachdenken anregende Sause zu erzeugen. Besser geht’s kaum.

Gehört

JULIANE: Wegen akuter Club- und Festivalvermissung habe ich in diesem Monat mal wieder ein paar Technotracks herausgekramt und mich zumindest gedanklich auf den Dancefloor gebeamt.

STEFAN: Mal wieder hat sich eine Band über irgendwelche Spotify-Playlisten bei mir eingeschlichen. Eine, die ich schon lange irgendwie auf dem Schirm hatte, aber einfach nie gehört habe. Bis die Playlisten kamen. Jetzt läuft Harmlessness von The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die immer wieder. Einfach großartig, wie sich Ruhe und Ausbruch hier verbinden, Folk, Postrock und Posthardcore sich ganz heimlich ineinander sneaken, um plötzlich anzugreifen. Schön!

Gemacht

JULIANE: Trotz des anhaltenden Lockdowns war der Mai doch schon wieder etwas aufregender als die Monate davor. Das Wetter war endlich gut genug, um wieder Radtouren zu machen. Es gab einen Pfingstbrunch mit allerlei Köstlichkeiten und musikalischer Untermalung von der Ross Antony Show im MDR. Und wir haben – aufgepasst, es wird crazy – einen Urlaub gebucht. Nach Bornholm soll’s gehen, wenn Dänemark das dann wieder zulässt. Bitte Daumen drücken!

STEFAN: Ich habe es getan. Ich habe alle Reiben und komischen Dinger auf eBay Kleinanzeigen eingestellt und mir den einen wahren Hobel gekauft, einen Rösle mit stufenlos verstellbaren, austauschbaren Klingen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreibe, aber die ersten Kartoffeln, die ich damit zu einem Gratin verhobelt habe, waren ein kleines Erlebnis. Oh Gott, wo einen die Pandemie hintreibt. Hoffentlich wird’s bald warm.

Geklickt

JULIANE: Es ist schon eine Weile online, aber ich bin erst jetzt auf dieses tolle Projekt aufmerksam geworden – ein Movement-Film mit 35 Tänzer*innen, die für Diversität und ein neues Frauenbild stehen. Den Song dazu liefern die beiden Rapper Bausa und Apache 207. Die kann man finden, wie man will, aber da hat ABOUT YOU wirklich eine gute Idee gehabt, und die Bewegungen der Künstler*innen sind so wunderschön anzuschauen.

STEFAN: Eifersucht! Ich will auch von einem heranrauschenden Faultier umarmt werden. Aber wecken hätte nicht unbedingt sein müssen.

Kategorie Blog, Mischmasch
Autor

Aufgewachsen im schönen Brandenburg lernte ich schon früh die ländliche Einöde lieben und hassen zugleich. Heute kehre ich immer wieder gern heim, wohne allerdings lieber in urbanen Räumen. Beruflich bin ich im Sachbuch unterwegs, nach Feierabend widme ich mich dann der Belletristik und schreibe hier über meine Lektüren.

2 Kommentare

  1. Wann seid ihr in Bornholm? Wir fahren auch dahin, aber ihr wahrscheinlich zu Zeiten, an denen Familien mit schulpflichtigen Kids nicht hinkommen. Aber wenn ihr die letzten zwei Augustwochen da seid, wäre es ja echt ne coole Nummer, wenn man sich über den Weg läuft 😁

    Apropos in Clubstimmung bringen. Mix gehört? 😜😉

    Liebe Grüße
    Marc

  2. Ach, ich liebe Bornholm, eine wundervolle, sehr abwechslungsreiche Insel. Könnte auch gleich den Koffer packen und mit der Fähre „rüberdüsen“. Euch eine schöne Zeit. Ich bin auf die Fotos gespannt. Viele Grüße

Kommentar verfassen