Und sonst so? [Monatsrückblick April 2022]

Der Frühling ist endlich da, auch wenn der April traditionell ja immer nochmal so einiges an Regen und Kälte auffährt. Das haben wir dieses Jahr allerdings zumindest zur Hälfte in den USA abgeholt, was alles deutlich erträglicher gemacht hat.

Gelesen

STEFAN: Im April haben wir richtig rausgehauen, und dabei waren auch einige tolle Frühjahrstitel. Die Debüts Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron von Yade Yasemin Önder und Draußen feiern die Leute von Sven Pfizenmaier drehen sich beide um Coming-of-Age-Themen und überzeugen jeweils auf ihre ganz eigene Weise – und das so ziemlich auf ganzer Linie.

Verfluchte Misteln von Nataša Kramberger schaut äußerst eigenwillig und originell auf den Gegensatz von Stadt und Land und räumt mit jeglichen Vorstellungen landwirtschaftlicher Idylle auf. Die Protagonist* innen in Creep von Philipp Winkler finden Idylle nur in Computerspielen und Darknet-Foren vor. Der Roman wirft einen düsteren Blick auf Sozialphobien und die negativen Folgen des Vordringens der Technik in alle Lebensbereiche.

Zuletzt haben wir noch Die Aufdrängung von Ariane Koch besprochen. Der aspekte-Preis aus dem letzten Jahr war vollkommen gerechtfertigt, denn der Roman zeigt, was hochklassige Literatur kann. Er entführt in die krude Gedankenwelt seiner Protagonistin, die genauso witzig wie abgründig ist und viele Lesarten zulässt.

JULIANE: Bei mir hat es im April nur für eine Kurzrezension gereicht, in der ich den Debütroman Sperling von Katharina Korbach besprochen habe. Gelesen habe ich natürlich trotzdem so einiges – u.a. Nullerjahre von Hendrik Bolz, Just Kids von Patti Smith und gaaaanz oft den Reiseführer für New York.

Gesehen

JULIANE: Fliegen mag ich ja echt nicht so gern, aber wenigstens gibt es bei Langstreckenflügen immer ein ganz nettes Entertainmentangebot an Bord. Ich habe mir auf dem knapp neunstündigen Flug nach New York den Film King Richard angeschaut. In dem Biopic wird das Aufwachsen der beiden Tennis-Stars Serena und Venus Williams gezeigt, wie ihr Vater Richard die beiden schon in frühen Jahren gefördert und auf die große Karriere der Schwestern hingearbeitet hat. Ein sehr beeindruckender Film, der mir auch Tennis als Sport ein bisschen nähergebracht hat.

STEFAN: Nach stundenlangen Spaziergängen durch New York war es wunderbar, abends zu einer Serie wieder runterzukommen. Wir haben uns Inventing Anna angeschaut, was natürlich auch in New York spielt und dadurch doppelt gut gepasst hat. Die Serie blickt auf die Hochstaplerin Anna Sorokin bzw. Delvey und erzählt ihre Geschichte und wie sie das Leben der anderen Beteiligten bis zu ihrer Enttarnung beeinflusst – und das genauso vielschichtig und uneindeutig wie es sein muss. Und mit einer tollen Julia Garner in der Hauptrolle, die manche vielleicht schon – ganz anders – aus der großartigen Serie Ozark kennen, die gerade in die zweite Hälfte der vierten Staffel gegangen ist. Freude!

Gehört

JULIANE: Ich hatte mir für unsere zweiwöchige USA-Reise extra ein paar Hörbücher mit Amerika-Bezug bei BookBeat heruntergeladen. Angefangen habe ich nur eines: Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara. Das Buch liegt schon seit mehreren Jahren ungelesen in meinem Regal. Ich weiß noch nicht, ob ich so richtig warm werde mit dem Sprecher, aber die Story um Jude, Willem, Malcolm und JB finde ich schon mal ganz interessant. Habe bisher drei von sechsunddreißig Stunden gehört, also mal gucken – vielleicht steige ich aber auch einfach noch auf’s Buch um.

STEFAN: Für den Flug in die Staaten wollte ich mir ein bisschen Lokalkolorit reinholen und habe mir einen Podcast der New York Times runtergeladen. Dass es dann in Rabbit Hole überhaupt nicht um New York geht, sondern um die Empfehlungsalgorithmen von YouTube und wie sie die Radikalisierung von Menschen auf der Plattform fördern, war zwar anders als gedacht, aber das Ergebnis war klasse. Ich werde mich jetzt wohl öfter mal dort nach Podcasts umschauen. Erinnert in Aufbau und natürlich Thema sehr an Cui bono, Fans sollten also definitiv mal reinhören!

Gemacht

JULIANE: Wir hatten zwei richtig schöne Urlaubswochen in den USA. Nach 13 Jahren war ich nun zum zweiten Mal in diesem krassen Land. Die ersten sieben Tage haben wir komplett in New York verbracht, all die Orte besucht, die wir aus Film und Fernsehen kennen, in den Parks abgehangen, lecker und fettig gegessen, mit den Locals gequatscht, in Buchhandlungen gestöbert und uns staunend zwischen all den Hochhäusern getummelt. Es war soooo gut, ich würde sofort wieder hinfliegen.

STEFAN: Für den Rest unserer Zeit in den USA hatten wir dann in Rhode Island eine unglaublich schöne Hütte an einem See. Die Natur dort ist wunderschön, die Menschen so freundlich. Aus der Basis ging es dann noch auf diverse Trips, zum Beispiel in das schnuckelige Provincetown auf Cape Cod und natürlich auch nach Boston. So konnten wir nach der in jedem Sinne überwältigenden Woche in New York City noch mal ausspannen und unsere geschundenen Füße etwas schonen. Dann ging es auch schon wieder zurück nach Deutschland. Es war super, wir kommen bestimmt wieder.

Geklickt

JULIANE: Nicht nur King Richard habe ich auf dem Hinflug nach New York geschaut, sondern auch die große Friends-Reunion und mich dabei gut unterhalten gefühlt. In New York habe ich mich dann allerdings mit Isabella darüber unterhalten, die als großer Friends-Fan eine ganz andere Meinung hatte. Und ich muss zugeben, sie hat mit all ihren Kritikpunkten, die man in diesem 54books-Artikel auch nochmal nachlesen kann, vollkommen recht.

STEFAN: Voller Support für Isabella diesmal: Wer auch vorhat, nach New York zu reisen, dabei aber kein kleines Vermögen allein in Essen investieren möchte, sollte mal auf ihrem Blog Lower Budget Manhattan vorbeischauen. Da gibt es reichlich Tipps und Kuriositäten rund um Manhattan, aber auch aus den anderen Boroughs. Da sie gerade vor Ort ist, kommt auch wieder einiges dazu.

Kategorie Blog, Mischmasch
Autor

Ich bin im Niemandsland von NRW zwischen Tagebauten und Kraftwerken aufgewachsen, da gab es nur wenige Argumente gegen ausgiebiges Lesen, um der Tristesse zu entkommen. Dann ging es nach Aachen, später nach Köln, dann nach Göttingen und nun lebe ich in Berlin. Beruflich vor allem mit wissenschaftlichen Büchern beschäftigt, kann ich mich auf dem Blog in der Belletristik austoben. Nebenbei spiele ich noch in Bands, meine zweite Leidenschaft ist ganz klar die Musik! Oder doch Kochen und Essen? Naja …

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