Das Jahr beginnt mit Eis und Schnee, also schlittern wir fröhlich rein. Mit Schlitten und Schneeanzug, aber auch mit neuen Büchern auf der Couch und reichlich Erkältungen im Gepäck. Was sonst noch so los war im Januar, lest ihr hier.
Gelesen
JULIANE: Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, aber ich habe im Januar 6 (!) Bücher gelesen. Bin über mich selbst überrascht und muss natürlich zugeben, dass da auch zwei kurze so genannte Geschenkbücher dabei waren: Von Herz zu Herz vom Dalai Lama, übersetzt von Jochen Winter und illustriert von Patrick McDonnell, und Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd von Charlie Mackesy, übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg. Beide sind wunderschön gestaltet und versprühen mit zu Herzen gehenden Geschichten Hoffnung. Von Herz zu Herz hat mir noch ein bisschen besser gefallen, weil es wirklich eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt und ich es spannend fand, den Gedanken des Dalai Lama auf so niedrigschwellige Weise folgen zu können.
Dann habe ich tatsächlich drei Bücher gelesen, die sich auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema Mutterschaft beschäftigen. Unter anderen Umständen von Verena Teke erzählt von der Kinderwunschreise eines Paares, die die Beziehung der beiden stark auf die Probe stellt – ein einfühlsames Buch über einen unerfüllten Kinderwunsch und die Maschinerie der Reproduktionsmedizin. Habe ich gern gelesen, auch wenn ich mir hier und da mehr Leerstellen für eigene Gedanken gewünscht hätte.
Kinderspiel von Claire Kilroy (Ü: Luca Mael Milsch) wiederum beschäftigt sich mit der Zeit, nachdem das Baby frisch auf der Welt ist, mit der Hilflosigkeit einer Mutter, mit dem Fehlen des Vaters in der täglichen Care-Arbeit-Routine, mit der Ambivalenz einer unendlichen Liebe für das Baby und der ständigen Überforderung. Ein wirklich toller Roman mit ganz eigenem Ton und einer interessanten Erzählperspektive, sehr empowernd, auch etwas skurril, für mich schon jetzt ein Jahreshighlight.
Über Es ist hell und draußen dreht sich die Welt von Dita Zipfel darf ich noch gar nicht so viel schreiben, weil es erst am 18.2. erscheint. Nur so viel: In diesem Kammerspiel fahren zwei Paare gemeinsam in den Urlaub, ein kinderloses mit Kinderwunsch, das andere mit Kleinkind und Baby. Schon zu Beginn merkt man, dass dieser Urlaub unter keinem guten Stern steht, aber was dann alles passieren wird, habe auch ich nicht kommen sehen. Mega Buch, für mich auch jetzt schon ein großes, großes Jahreshighlight.
Als ich erfahren habe, dass es ein neues Buch von Joan Didion gibt, musste ich es natürlich sofort haben. Das Jahr magischen Denkens und Blaue Stunden zählen zu meinen All-Time-Favorite-Books. Umso gespannter war ich auf Notizen für John (Ü: Antje Rávik Strubel). Bei diesem Buch handelt es sich um bisher unveröffentlichte Texte aus Didions Nachlass, die sie für ihren Ehemann John geschrieben hat. Sie formieren sich zu einer Art Therapietagebuch, in dem Didion über ihre Sitzungen beim Therapeuten, die Alkoholsucht ihrer Tochter Quintana und ihr eigenes Aufwachsen schreibt. Sehr spannende Einblicke, die aber vor allem Didion-Fans interessieren dürften. Ob Joan Didion diese Texte in Hinblick auf eine Veröffentlichung geschrieben hat, bleibt allerdings fraglich.
STEFAN: Ich habe im Januar nicht viele Bücher, aber dafür schon mindestens ein Highlight gelesen, das allerdings schon letztes Jahr erschienen ist. Zerstörungslust von Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey setzt beeindruckend fort, was sie mit Gekränkte Freiheit 2022 begonnen haben. Sie zeigen in der groß angelegten, aber wahnsinnig gut lesbaren Studie, wie die Verlierer der Nachmoderne immer mehr in einen Zerstörungswahn verfallen, um die Demokratie niederzureißen und sie unter faschistischem Banner neu aufzubauen.
Außerdem habe ich Wir Töchter von Oliwia Hälterlein gelesen. Ein Generationenroman über drei Frauen, Großmutter, Mutter und Tochter, die alle ihre eigenen Geschichten haben und doch eng verflochtene Leben führen. Diese bewegen sich aus dem ländlichen Polen über Danzig nach Deutschland. Der Roman macht die Zeiten der Frauen und ihre Lebensumstände greifbar und zeigt, wie Herkunft immer weniger greifbar wird, ohne aber je ganz zu verschwinden.
Gesehen
JULIANE: Wir hatten Grippe und das war sehr unschön, aber zumindest ging das gemeinsame Fernsehgucken ab einem bestimmten Punkt wieder. Also haben wir die gemeinsame Zeit zu Hause genutzt, um endlich die zweite Staffel von Twin Peaks (1991) zu Ende zu schauen. Es bleibt skurril und verwirrend, aber auch spannend und am Ende lohnt es sich sehr, dranzubleiben. Für mich immer wieder ein Highlight, zu beobachten, wie anders damals noch Serien gedreht wurden – ein Klassiker der Fernsehgeschichte, den man gesehen haben sollte.
Im Laufe unserer Krankheitsisolation habe ich mich dann wenigstens auf dem Bildschirm nach realen Menschen gesehnt und Being Katarina Witt in der ARD-Mediathek angeknipst. Ich mag die Being-Reihe sehr und auch die Folgen über die ehemalige Eiskunstläuferin aus der DDR sind sehr zu empfehlen.
STEFAN: Ich habe im Januar den zweiten Teil der 28 Years-Trilogie von Danny Boyle gesehen. Wieder ein absolut unterhaltsamer Film, der nicht wirklich in das Genre Horror passt, auch wenn ein paar Slasher- und kleine Schockszenen drin sind. Aber hier wird wieder bildgewaltig von einem verseuchten Großbritannien erzählt, einer großen Parabel auf das Land nach dem Brexit. Ich freue mich schon riesig auf Teil drei!
Gehört
JULIANE: Mein Freund Chris hat mich Anfang Januar ein weiteres Mal in mein Lieblingsmusical mitgenommen. Zum dritten Mal in drei Jahren habe ich also Romeo & Julia – Liebe ist alles im Berliner Theater des Westens geschaut und mag es einfach immer mehr. Es läuft leider nur noch bis zum 22.2., umso besser für mich, dass es alle Songs bei Spotify nachzuhören gibt.
Im Januar habe ich auch einige Hörbücher gehört, von denen ich eines hier ganz besonders hervorheben will: »Mama, bitte lern Deutsch«: Unser Eingliederungsversuch in eine geschlossene Gesellschaft von Tahsim Durgun. Der Content Creator und Internet-Star schreibt in seinem sehr persönlichen sowie witzigen Buch über sein Aufwachsen in Deutschland als Teil der postmigrantischen Gesellschaft. Das macht er gnadenlos ehrlich, zynisch und immer mit einem liebevollen Blick auf seine Familie. Dieses Buch zeigt, wie viel Deutschland in Sachen Integration in den letzten Jahrzehnten verpasst und auch heute immer noch nachzuholen hat. Dringende Lese-/Hörempfehlung meinerseits für ALLE.
STEFAN: Ich bin mal wieder in den warmen Kosmos der Weakerthans abgetaucht, wo punkige Wurzeln mit Americana und tollsten Lyrics zusammenkommen und eine Wohlfühlmischung ergeben, in die ich mich einfach dauerhaft reinlegen könnte. Ich kann kaum ein Album herausheben, alle vier sind einfach großartig, auch wenn das erste, Fallow, vielleicht etwas abfällt. Für Einsteiger*innen ist wohl das 2003er Reconstruction Site am besten geeignet.
Gemacht
JULIANE: Nach der Grippe stand für mich ein kleines Friends-Getaway nach Hamburg an, und das war einfach nur schön. Ohne Termine haben wir uns ein Wochenende lang durch die schöne Hansestadt treiben lassen, Museen, Cafés und eine Stand-up-Comedy-Show besucht (wusste vorher nicht, dass ich so was mag :D). Eine ganz große Empfehlung gibt es von mir für die Ausstellung »Kinder, Kinder!« im Bucerius Kunstforum.
STEFAN: Den Januar kann man mal getrost abhaken. Bei uns waren Krankheiten das alles bestimmende Thema – egal, ob es nun um unsere eigenen ging, wegen denen wir diverse Pläne über Bord werfen mussten, oder um die von anderen Leuten, die wiederum absagen mussten. Heizungsumbau, Zahnarzt, Geburtstage – die Liste ließe sich fortsetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Schlimmste bald überstanden ist.
