Nefeli Kavouras: Gelb, auch ein schöner Gedanke

Trauer-Tandem: In ihrem Debüt Gelb, auch ein schöner Gedanke erzählt Nefeli Kavouras von einer Mutter-Tochter-Beziehung, die am nahenden Tod des Vaters zu zerbrechen droht.

Nefeli Kavouras, Gelb, auch ein schöner Gedanke, Cover

Georg ist in seinem Zimmer. Immer. Denn Georg stirbt. Schon seit Ewigkeiten. Zumindest kommt es Lea so vor. Die Fünfzehnjährige kann sich zwar noch gut an die Zeiten erinnern, als Georg gesund war und als Vater ihr Fixpunkt in der Familie. Der kochte, lachte und ausgelassen war. Doch nun liegt er nur noch in seinem Krankenbett, die Erinnerungen sind weit weg. Und draußen genießen ihre Freund*innen das Leben.

Freund*innen hat Ruth, Georgs Frau und Leas Mutter, schon lange nicht mehr. Sie konnten mit der Situation nicht umgehen, wussten nicht, was sagen. Und Ruth ja irgendwie auch nicht. So hat sie sich komplett in Georgs Zimmer zurückgezogen und hält seine Pflege wie ein Schild vor sich, um die Außenwelt abzuwehren. Ihre Welt hat sich zusammengezogen, auf einen einzigen Zweck reduziert: Georg.

Nefeli Kavouras erzählt in Gelb, auch ein schöner Gedanke ungemein souverän und mit schon auf den ersten Seiten einnehmender Intimität die Geschichte von Ruth und Lea. Immer abwechselnd sprechen die beiden aus ihrer Perspektive und schildern damit ihre komplett unterschiedlichen Arten, mit der Trauer über den nahenden, aber einfach nicht eintretenden Tod von Georg umzugehen.

Der Roman versammelt um den sterbenden Georg die Themen Tod, Familie und Trauer, aber eben auch Coming-of-Age und Midlife-Crisis, die zu ganz unterschiedlichen Erfahrungen der beiden Frauen führen. Mitzuerleben, wie sie sich immer weiter voneinander entfernen, um dann durch einen komplett irren Zufall wieder zusammenzuwachsen, ist berührend und fesselnd zugleich.

Nefeli Kavouras: Gelb, auch ein schöner Gedanke | Kiepenheuer & Witsch | 240 Seiten | 23 Euro | Erschienen im Februar 2026

Kategorie Blog, Rezensionen

Ich bin im Niemandsland von NRW zwischen Tagebauten und Kraftwerken aufgewachsen, da gab es nur wenige Argumente gegen ausgiebiges Lesen, um der Tristesse zu entkommen. Dann ging es nach Aachen, später nach Köln, dann nach Göttingen und nun lebe ich in Berlin und arbeite als Buchhersteller. Nebenbei spiele ich noch in Bands, meine zweite Leidenschaft ist ganz klar die Musik! Oder doch Kochen und Essen? Schwer zu sagen.

Kommentar verfassen