Und sonst so? [Monatsrückblick Mai 2026]

Der Sommer ist im Mai endlich angekommen, genauso wie die ersten Leseexemplare des kommenden Herbst – ist das Jahr etwa schon fast vorbei? Was sonst noch so los war im Mai, lest ihr hier.

Gelesen

JULIANE: Mein Lesemonat Mai startete mit einem absoluten Highlight: Wer möchte nicht im Leben bleiben von Helene Bukowski. Die Autorin erkundet in ihrem dritten Roman das Leben von Christina, einer jungen Pianistin, die es wirklich gab und die 1985 in Neubrandenburg Suizid begeht. Es geht um Leistungsdruck, Leben und Leiden in der DDR, Musik und PMDS. Für mich sowohl stilistisch (Du-Form!), thematisch als auch von der Herangehensweise und Recherche ein ganz besonderes Buch. Große, große Empfehlung! 

Clara Leinemanns Debüt Gelbe Monster hat mich ganz unerwartet total begeistert. Ich dachte, ich hätte schon vieles über toxische Beziehungen gelesen, aber diese Perspektive – Protagonistin Charlie muss in die Antiaggressionsgruppe für Frauen, denn in ihrer letzten Beziehung wurde sie gewalttätig – war neu und herausfordernd für mich. Ein richtig gutes Buch über weibliche Wut und so viel mehr.

Und dann gabs noch etwas Grafisches für mich: Die Frau als Mensch von Ulli Lust ist ein spannender und wahnsinnig gut recherchierter Sachcomic über die Rolle der Frau in der Steinzeit. Die war nämlich sehr zentral und gar nicht nur aufs Kinderkriegen und Zubereiten des Essens beschränkt. Ich habe vieles gelernt, mich aufgeregt und empfehle diesen Comic auch allen Archäologie-Fans!

STEFAN: Im Mai habe ich endlich mal wieder richtig viel gelesen, ich bin mit den Rezensionen überhaupt nicht hinterhergekommen.

Zunächst habe ich Die neue autoritäre Linke von Nicholas Potter gelesen. Er behandelt darin das Entstehen neuer linker Gruppen, die straff hierarchisch organisiert sind, ein einfaches Freund-Feind-Weltbild kultivieren und in extremer Lautstärke auf Social Media und anderen Medien wie auch auf Demonstrationen ihre Ansichten kundtun. Diese basieren auf einem sehr vulgären Anti-Imperialismus, der sich aktuell in erster Linie gegen Israel richtet – und damit meist auch gegen Juden allgemein. Hochaktuell, Rezi folgt.

Dann habe ich mit åben die erda von Liv Thastum endlich mal wieder Lyrik gelesen – und geliebt. Der wunderschöne Band versammelt vier Langgedichte, die sehr unterschiedlich die Themen (Mutter-)Sprache und Identität umkreisen. Absolute Empfehlung.

Außerdem habe ich den ersten Band der Scandinavian Star-Reihe von Asta Olivia Nordenhof gelesen, Geld in der Tasche (dt. Ü.: Ursel Allenstein). Auch dies ein Highlight, das sich anhand der Scandinavian Star-Tragödie mit den Verquickungen von Patriarchat und Kapitalismus auseinandersetzt. Der zweite Teil, Teufelsbuch, liegt schon bereit.

Ebenso habe ich Zähe Hunde von Falun Ellie Koos gelesen, aus dem Niederländischen übersetzt von Andrea Kluitmann. Der Roman erzählt eine Familiengeschichte, Coming-of-Age, den Aufstieg aus ärmsten Verhältnissen und der Suche nach einer eigenen Identität. Die Erzählerin Ada bleibt dabei immer auf Distanz, was den Roman tricky macht.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Sperrgut von Sophia Merwald. Auch hier geht es um ein Coming-of-Age aus schwierigsten Verhältnissen. Neben der Geschichte rund um Erzählerin Stevie und einer Gruppe von Outcasts, die sich am Rande einer Großstadt gegen die Vereinnahmung durch die Normalos stemmen, ist es vor allem die Sprache, die dieses Debüt ganz besonders macht. Ungezügelt expressionistisch gehört dies zum Mutigsten, was ich seit Langem gelesen habe.

Zu guter Letzt habe ich dann noch die Graphic Novel zu Eine kurze Geschichte der Ungleichheit von Thomas Piketty gelesen, die von Sébastien Vassant und Stephen Desberg umgesetzt und von Stefan Lorenzer aus dem Französischen übersetzt wurde. Wie der Titel schon sagt, geht es um die Geschichte der Ungleichheit, in etwa ab dem Feudalismus im Mittelalter. Die sehr komprimierte Form der Graphic Novel ist schön, um alles schnell zu erfassen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob diese stark heruntergebrochene und grob vereinfachende Form dem komplexen Thema immer gerecht wird.

Gesehen

JULIANE: Im Mai habe ich wirklich wenig ferngeschaut, aber den Auftakt der neuen Staffel Die Bachelors konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! 😀

STEFAN: Nach dem großen Erfolg von New Amsterdam (bei mir) bin ich schnell zur nächsten Krankenhaus-Serie übergegangen: The Good Doctor. Die Serie um den autistischen Chirurgen Shaun beginnt etwas pathetisch, wird dann aber immer besser, je mehr die anderen Charaktere auch an Kontur gewinnen. Und mit sieben Staffeln hört es auch einfach nie auf …

Gehört

JULIANE: Im Mai habe ich den Ratgeber Was Familie leichter macht von Nora Imlau als Hörbuch gehört. Mir als non-stop reflektierende Mutter hat dieses Buch viel Druck genommen und neue Impulse für den Familienalltag zwischen Erwerbsarbeit, Kita und Paarbeziehung gegeben. 

STEFAN: Ich habe einen neuen ARD-Podcast entdeckt, der mir sehr viel Freude macht. Die Lösung behandelt psychologische Themen auf leichte, aber sehr fundierte Weise. Pro Folge gibt es immer ein Thema, das dann tiefer behandelt wird. So zum Beispiel zuletzt Schwierige Kolleg*innen, akute Psychosen und deren (oft überschätzte) Spätfolgen sowie transgenerationale Traumata – alles sehr unterschiedliche Themen, die für mich bisher immer interessant waren.

Gemacht

JULIANE: Wir waren über Pfingsten in einer RAUS-Cabin irgendwo im Nirgendwo und haben die Zeit zu zweit mit ganz viel Lesen und Spielen (Ganz schön clever = große Empfehlung!) sehr genossen. Das Kind im Anschluss wieder in die Arme zu schließen, war aber auch richtig dolle schön.

STEFAN: Ich war Ende Mai mal wieder beim Fußball, und zwar dem Saisonfinale des Hertha-Frauenteams, das gerade die Meisterschaft der Regionalliga gewonnen hat. Ein gutes und spannendes Spiel, vor allem aber einfach guter Fußball ohne großes Spektakel und besoffene Idioten, die einem das Erlebnis vermiesen.

Kategorie Blog, Mischmasch

Aufgewachsen im schönen Brandenburg lernte ich schon früh die ländliche Einöde lieben und verteufeln zugleich. Heute kehre ich immer wieder gern heim, wohne allerdings lieber in urbanen Räumen. Lesen geht ja zum Glück überall und bietet Ausflüge in diverse Welten. Hier schreibe ich über meine Lektüren.

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