Sayaka Murata: Die Ladenhüterin

Wer bestimmt, wann ein Leben angemessen gelebt wird? Sayaka Muratas Roman Die Ladenhüterin blickt auf eine Supermarktverkäuferin, die bei allem gesellschaftlichen Druck von außen fast vergisst, was sie am glücklichsten macht.

Sayaka Murata, Die Ladenhüterin, Cover

Die 36-jährigen Keiko Furukura arbeitet seit 18 Jahren als Aushilfe in einem japanischen Convenience Store, einem sogenannten Konbini, und ist eigentlich ganz zufrieden damit. Schon immer war sie etwas anders als die anderen und die Arbeit im Supermarkt gibt ihr Halt und Struktur. Klare Regeln, klare Abläufe sind alles, was Keiko benötigt, um sich zugehörig zu fühlen. Ihre Familie und Freundinnen erwarten leider etwas anderes: Sie soll Karriere machen, heiraten und eine Familie gründen, so wie es für einen »funktionierenden« Teil der Gesellschaft vorgesehen ist. Als der gesellschaftliche Druck, ein »normales« Leben zu führen, immer größer wird, geht Keiko eine Scheinbeziehung mit einem fragwürdigen Ex-Kollegen ein, was leider gar nichts besser macht.

Die Ladenhüterin von Sayaka Murata, aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, stellt auf sehr kluge und auch mal komische Weise die Frage, was mit Menschen passiert, die nicht der »Norm« entsprechen, durchs Raster fallen, und warum Teile der Gesellschaft diese Menschen nicht einfach in Ruhe leben lassen können. Ich wollte Keiko an so vielen Stellen fest in den Arm nehmen und den anderen Figuren entgegen schreien, dass sie ihre übergriffigen Erwartungen für sich behalten sollen. 

Auch sprachlich konnte mich der Roman überzeugen – eine sehr präzise, knappe, teils distanzierter Sprache, die zur Hauptfigur passt. Zudem ist Die Ladenhüterin ein sehr kurzes Buch – 145 Seiten –, das sich aber überhaupt nicht so angefühlt hat und über das ich noch lange nachdenken werde. 

Sayaka Murata: Die Ladenhüterin | Aufbau Verlag | Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe | 145 Seiten | 13 Euro (TB) | Erschienen im März 2018

Kategorie Blog, Rezensionen

Aufgewachsen im schönen Brandenburg lernte ich schon früh die ländliche Einöde lieben und verteufeln zugleich. Heute kehre ich immer wieder gern heim, wohne allerdings lieber in urbanen Räumen. Lesen geht ja zum Glück überall und bietet Ausflüge in diverse Welten. Hier schreibe ich über meine Lektüren.

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