Clara Leinemann: Gelbe Monster

Ein Debüt, das es in sich hat: Mit Gelbe Monster hat Clara Leinemann einen Roman geschrieben, der das Thema toxische Beziehung mal von einer anderen Seite beleuchtet.

Clara Leinemann, Gelbe Monster, Cover

Charlie muss in die Antiaggressionsgruppe für Frauen, denn in ihrer letzten Beziehung wurde sie gewalttätig. Charlie und Valentin waren anderthalb Jahre lang ein Paar mit On- und Off-Phasen. Er ist in ihren Augen der perfekte Mensch, den sie eigentlich gar nicht verdient hatte. Charlie verbog sich deshalb so stark, dass sie sich am Ende selbst kaum noch erkannte. Aber es war ihr egal, Hauptsache, er blieb bei ihr.

Und Valentin? Der war auch manchmal süß zu ihr, aber oft irgendwie distanziert und wortkarg. Was am Anfang noch geheimnisvoll wirkte, schlug bei Charlie schnell in Misstrauen um – Valentin gegenüber, aber auch sich selbst. Und da setzt bei Charlie die Wut ein, eine rohe, unbändige Wut, die ihren Ursprung viele Jahre zurück findet und sich immer weiter steigert bis hin zu einem Vorfall, der alles ins Wanken und Charlie in die Antiaggressionsmaßnahme bringt.

Ich dachte ja, ich hätte in den letzten Jahren schon vieles über toxische Beziehungen in Romanen gelesen, aber Gelbe Monster ist anders. Hier ist es die Frau, die zur Täterin wird – und doch bleibt bis zum Ende diskussionswürdig, welchen Anteil Valentin an allem trägt. In Clara Leinemanns Debütroman geht es um weibliche Wut, wo sie herkommt und was mit ihr passiert, wenn wir sie nicht als Folge unseres patriarchalen Systems anerkennen. Das zeigen auch die Geschichten der anderen Frauen in der Antiaggressionsgruppe.

Clara Leinemann hat mit Gelbe Monster ein feministisches, spannungsgeladenes und auch witziges Debüt geschrieben. Ich bin Fan und sehr gespannt, was als Nächstes von ihr kommt. Bis dahin empfehle ich diesen Roman für jeden Buchclub dieses Landes, da gibt es auf jeden Fall viel zu diskutieren.

Clara Leinemann: Gelbe Monster | Suhrkamp | 192 Seiten | 22 Euro | Erschienen im März 2026

Kategorie Blog, Rezensionen

Aufgewachsen im schönen Brandenburg lernte ich schon früh die ländliche Einöde lieben und verteufeln zugleich. Heute kehre ich immer wieder gern heim, wohne allerdings lieber in urbanen Räumen. Lesen geht ja zum Glück überall und bietet Ausflüge in diverse Welten. Hier schreibe ich über meine Lektüren.

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