Outcasts only: Sophia Merwald gelingt mit Sperrgut ein nicht nur sprachlich famoses Debüt über Außenseiter und die Gewalt der Normalisierung.

Das Lusthansa erscheint wie ein vergessener Ort. Von außen betrachtet ist es ein halb verfallenes Haus, das seine guten Zeiten vermutlich selbst nie erlebt hat. Irgendwo außerhalb der Stadt gelegen, wurde es für Jahrzehnte von der Mehrheitsgesellschaft vergessen und zum Heim für wechselnde Gruppen von Außenseitern, Ausgestoßenen aus der Gesellschaft, bewirtet von Kristalloma. Auch Stevie stößt dazu, die gerade von zu Hause abgehauen ist. Ihre Freundin Maj folgt kurz danach, später sogar Stevies todkranker Vater mit seiner Frau Linde. Zusammen setzen sie sich gegen die zunehmenden Angriffe der Außenwelt zur Wehr, um ihr Leben außerhalb der Normalität zu verteidigen.
Sperrgut von Sophia Merwald ist ein Roman, der gleich von der ersten Seite an zeigt, dass er mindestens so anders ist wie seine Protagonist*innen. Sprachlich ist hier nichts vorsichtig oder zurückgefahren, der Roman geht all in mit einer expressionistischen Sprache, die ich so schon lange nicht mehr gelesen habe. Das macht das Lesen nicht leicht, aber mit etwas Einsatz wird es zu einem literarischen Erlebnis, das gerade deutsche Debüts nicht mehr oft bieten.
Die Geschichte von Stevie und ihren Mitstreiter*innen ist ein weirder Trip im allerbesten Sinne, der nie vorhersehbar oder langweilig wird, sondern immer weiter nach vorne geht und vor einprägsamen Bildern nur so um sich wirft. Gleichzeitig ist der Roman ein starkes Statement gegen die aktuellen Tendenzen zur Ausgrenzung von Minderheiten – ein Debütroman, der im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr macht.
Sophia Merwald: Sperrgut | park x ullstein | 304 Seiten | 22 Euro | Erschienen im Januar 2026
Disclaimer: Ich arbeite bei den Ullstein Buchverlagen, zu denen auch park x ullstein gehört. Die Rezension spiegelt allein meine private Meinung wider.
