Und sonst so? [Monatsrückblick Juli 2026]

Auf das krass heiße Juni-Ende folgt ein eher wolkiger Juli, auch mal okay. Bei uns kehrt vor dem großen Urlaub im August etwas Ruhe ein. Was sonst noch so los war im Juli, lest ihr hier.

Gelesen

JULIANE: Im Juli habe ich endlich Weltalltage von Paula Fürstenberg aus dem Regal gefischt und gelesen. Viel zu lange stand der 2024 erschienene Roman dort. Die Form ist hier eine ganz besondere, es wird nämlich in Listen erzählt. Jedes Kapitel ist eine Aufzählung, an der sich die Protagonistin, eine Autorin mit chronischem Schwindel, abarbeitet. Im Fokus steht die sich wandelnde Beziehung zu ihrem besten Freund Max, aber auch deren ostdeutsche Sozialisation und das Thema (chronische) Krankheit. Ein sehr gutes Buch auf so vielen Ebenen.

Außerdem habe ich Nelka, den neuen Roman von Svenja Leiber, gelesen. Der Roman erzählt die Geschichte der 16-jährigen Nelka, die 1941 aus Lemberg von den Nazis verschleppt und zur Zwangsarbeit auf einem Gutshof in Norddeutschland gezwungen wird. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Wir erfahren ihre Geschichte und die des Gutsverwalters. Bin nicht ganz so einfach reingekommen, aber als ich einmal drin war: WOW, ein so beklemmendes Buch im besten Sinne. Ganz große Empfehlung. In der aktuellen Folge von Jerne jelesen spreche ich mit Annabelle über Nelka und wir sind uns endlich mal einig bei einem Buddyread.

STEFAN: Der Juli war auch wegen langer Zugfahrten wieder ein guter Lesemonat für mich. Ich habe den neuen Roman von Martina Hefter gelesen, Nach der Sonne schauen. Der sehr ruhige Text hat mich wie schon der Vorgänger Hey guten Morgen, wie geht es dir? sehr eingenommen. Es geht um Kunst, Selbstfindung, die Klimakatastrophe, KI – viel Stoff also, der aber für mich hier überzeugend zusammenkommt. Mehr dann zum ET im Oktober.

Dann habe ich Iris von Laura Freudenthaler gelesen. Schon der Vorgänger Arson konnte mich überzeugen, und Iris steht dem früheren Roman in Sachen formaler Ambition in nichts nach. Es ist einfach wahnsinnig gut, wie die Autorin es schafft, jedes Kapitel in einem einzigen Satz und auf verschiedenen Zeitebenen zu erzählen, ohne dass man permanent verloren ist. Große Erzählkunst auf kleinem Raum. Es geht dabei um eine fiktive Autorin, die haltlos durch die Welt jettet und Ruhe nur in SM-Spielen mit einem Fotografen zu finden scheint – auch inhaltlich wild.

Außerdem habe ich Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind von Anna Schapiro angefangen. Der Roman rekonstruiert das Leben der Großmutter aus Gesprächen und Versatzstücken und erzählt damit eine jüdische Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Russland, den USA, Israel und Deutschland. Die sehr mündliche Erzählweise gepaart mit dem ständigen Springen von einem Familienmitglied, Freund*innen und Bekannten zum nächsten haben mich aber leider schnell verloren.

Gesehen

JULIANE: Ich habe meinen großen O. C. California-Rewatch gestartet und fühle mich wieder wie 16. 😀 Bisher scheint mir die Serie okay gealtert, wenn man davon absieht, dass wir uns in einer sehr weißen, sehr oberflächlichen Serienwelt befinden. Ich gucke das damals wie heute sowieso nur wegen Seth Cohen und der ist wirklich gut gealtert.

Außerdem haben Stefan und ich die letzte Staffel von The Handmaids Tale geschaut. Es war toll (und schmerzhaft wie immer), noch ein letztes Mal mit June & Co. nach Gilead zu reisen, aber es hat dann auch wirklich gereicht. June mit ihrem Hang zur Selbstzerstörung hat zunehmend genervt und auch das Serienende war eher unbefriedigend.

Und dann wurde bei einem DVD-Abend noch Frontalknutschen geschaut. Ein britischer Teenie-Film von 2008, der einfach nur süß ist und vergeht wie im Flug.

STEFAN: Ich habe im Juli endlich The Good Doctor beendet, es war dann auch genug. Ich habe das Krankenhaus in San Jose gleich durch die Polizeistation Mid-Wilshire in L.A. – gar nicht so weit weg – ausgetauscht und schaue mir nun die aktuelle Staffel The Rookie an. Guilty Pleasures überall, aber es ist einfach entspannend, in diese lieb gewonnenen Ensembles wieder einzutauchen.

Im Kino war ich auch mal wieder und habe mir Obsession angeschaut. Bei Horrorfilmen ist es ja ein sehr gutes Zeichen, wenn man am Ende erleichtert ist, weil man richtig gelitten hat – solange es nicht vor Langeweile war. Und hier konnte man richtig leiden. Die Geschichte um einen sehr wörtlich in Erfüllung gegangenen Wunsch und die nun komplett in ihren Freund Bear vernarrte Nikki ist richtig hart und macht umso mehr Spaß. Nichts für schwache Nerven.

Gehört

JULIANE: Der Juli stand bei mir musikalisch ganz im Zeichen der schwedischen Künstlerin Robyn. Ich habe ihr neuestes Album Sexistential rauf und runter gehört und die alten Alben gleich hinterher. Ganz großes Highlight war dann das Konzert in Berlin. Ich bin immer noch ganz beseelt, wenn ich an die vielen Menschen denke, die gemeinsam »Dancing on My Own« singen.

Außerdem habe ich Unshame von Louisa Dellert als Hörbuch gehört. In ihrem erzählenden Sachbuch widmet sich die Content Creatorin und Buchcafébetreiberin den Themen Körperscham, Schönheitsideale und Selbstakzeptanz. Anhand persönlicher Erfahrungen zeigt sie, wie gesellschaftliche Erwartungen unser Körperbild prägen, und ermutigt dazu, den eigenen Körper mit mehr Wertschätzung zu betrachten. Ein wichtiges Buch in Zeiten, da Diet Culture & Co. wieder auf dem Vormarsch sind.

STEFAN: Ich war wieder auf ein paar Konzerten, deshalb musste ich natürlich auch die entsprechende Musik hören. So habe ich viel Faraquet gehört, also vor allem DAS Album von 2000, The View From This Tower. Ganz viel Dischord-Sound mit Strukturen zwischen Math-Rock und Hardcore – es gibt hier einfach so viel zu entdecken, richtig gut.

Außerdem habe ich auf dem A World Of Our Own-Festival in Berlin die Band Hetta aus Portugal entdeckt. Volle Blood-Brothers-Power, als wären sie nie weggewesen. Richtig gut, aber definitiv auch nichts für schwache Nerven.

Gemacht

JULIANE: Alle drei Jahre findet in Hildesheim das Festival für junge Literatur, das Prosanova, statt. Anfang Juli war es wieder soweit und ich bin nach Niedersachsen gedüst, um dabei zu sein. Drei Tage voller kreativer Literaturformate, Performances und Wiedersehen haben sich mal wieder gelohnt. Freue mich schon auf das Prosanova 2029!

STEFAN: Neben den Konzerten – wie oben schon erwähnt, Dischord- und 90s-Screamo-Nostalgie mit Faraquet und dem A World Of Our Own-Festival – war ich auch noch unterwegs, und zwar zum Wandern mit Freunden in Eisenach. Die Stadt in Thüringen hat uns sehr positiv überrascht. Nicht nur ist das Wandern rund um die Wartburg sehr schön, auch die Stadt selbst ist wunderbar saniert und hat richtig viel zu bieten.

Kategorie Blog, Mischmasch

Aufgewachsen im schönen Brandenburg lernte ich schon früh die ländliche Einöde lieben und verteufeln zugleich. Heute kehre ich immer wieder gern heim, wohne allerdings lieber in urbanen Räumen. Lesen geht ja zum Glück überall und bietet Ausflüge in diverse Welten. Hier schreibe ich über meine Lektüren.

1 Kommentare

  1. Ja, Thüringen hat einige sehr schöne Ecken – landschaftlich und auch von den Orten her. Ich mag ja Jena und Weimar sehr. Viele Grüße aus dem Fast-Thüringen 😉

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