August hieß auch dieses Jahr wieder: Urlaub! Und zwar wieder in Dänemark, weit ab von den Hitzerekorden in Deutschland. Was sonst noch so los war im August, lest ihr hier.
Gelesen
JULIANE: Ich habe im August dank des zweiwöchigen Urlaubs drei ganze Bücher gelesen. Jarka Kubsovas neuester Roman Im Licht des neuen Tages erzählt von der Schriftstellerin Elli, die die Geschichte der geheimnisvollen tschechischen Frauen- und Märchenfigur Viktorka erforscht. Dabei stößt sie auf Parallelen zu ihrer eigenen Vergangenheit. Ein Roman über Herkunft, Erinnerung und Selbstbestimmung. Ein paar Dinge habe ich an dem Buch auszusetzen, aber alles in allem habe ich es doch gern gelesen und ziehe meinen Hut vor dieser wahnsinnig guten Recherchearbeit.
In Augustblau von Deborah Levy (Ü: Marion Hertle) bricht die Pianistin Elsa M. Anderson nach einem misslungenen Konzert aus ihrem bisherigen Leben aus. Auf einer Reise durch Europa begegnet sie einer Frau, die ihr ähnlich sieht, und beginnt, über ihre eigene Identität und ihr Leben nachzudenken. Ein typischer Deborah-Levy-Roman, wie ich ihn liebe – skurril, atmosphärisch und mit diesem ganz eigenen, unvergleichlichen Levy-Ton. Loved it.
Image von Svea Mausolf wiederum war ein super witziger Roman, der mich tief in die menschlichen Abgründe der (gut)bürgerlichen Mittelschicht schauen ließ. Ein wahres Lesevergnügen mit ganz viel Ekelspaß!
STEFAN: Auch bei mir gingen urlaubsbedingt im August ganz schön viele Bücher über den Nachttisch. Es ging los mit Die Austernfischerin von Celine Edinger, einem sehr ruhigen Buch. Passenderweise konnte es mich super auf Dänemark einstellen, spielt es doch auch an der rauen und dünn besiedelten dänischen Küste. Es ist ein Kammerspiel über die langsame wie unwahrscheinliche Annäherung zweier Frauen. Sehr ruhig und intim, für mich aber auch immer leicht an der Grenze zur Langeweile.
Weiter ging es mit Michaela Kohlhaas von Heike Geißler. Die Autorin habe ich schon ewig auf dem Schirm und finde ihre Bücher super interessant, irgendwie habe ich dann aber doch nie eins gelesen. Damit ist jetzt Schluss, und die Überschreibung von Kleists fast gleichnamiger Novelle konnte mich gleich überzeugen. Die irgendwie klassische, aber nur ganz leicht ironisch gebrochene Sprache des Romans sowie seine über die Maßen widerspenstige Hauptfigur sind einfach super.
Es folgte Das Schwarz an den Händen meines Vaters von Lena Schätte. Hier hatte ich noch komplett den Sound ihres Bachmannpreis-Textes im Kopf, der einfach 1:1 zum Roman passt. In kurzen Kapiteln mit lakonischem Ton erzählt ein Mädchen von ihrem Aufwachsen mit dem alkoholkranken Vater und einer Familie, in der der Alkohol automatisch im Blut zu sein scheint. Kurz und intensiv wird dieser Roman noch lange in meinem Kopf bleiben.
Dann kam Junk von Ilona Hartmann. Auch hier war es mein erster Roman der Autorin, und der hat mir gut gefallen. Die Erzählerin verschanzt sich vor ihren weltlichen Problemen im Keller, um dort endlich mal Ordnung zu schaffen, was natürlich zu einem Trip in die eigene Vergangenheit und einem Anfang der Bewältigung dieser führt. Die Konstruktion war mir etwas zu offensichtlich, aber was und wie dann erzählt wird, hat das für mich wieder wettgemacht. Leise, warm und kurzweilig.
Mit Der futurologische Kongreß von Stanislaw Lem habe ich dann noch eine Backlist-Leiche rausgeholt. Leider konnte ich mit dem komplett chaotischen Science-Fiction-Roman voller verrückter Figuren und Ideen nicht viel anfangen, er erscheint mir eher interessant für eine kulturwissenschaftliche Analyse über das Zukunftsbild der 1970er-Jahre, da war ich aber im Urlaub so gar nicht zu aufgelegt.
Dafür hat mir Juliane dann noch Gym von Verena Keßer in die Hand gedrückt. Ein witziger und kluger Roman über die monströse Seite des kapitalistischen Wettbewerbs, der den Menschen immer tiefer eingeschrieben scheint und die Protagonistin gleich mehrfach in den geistigen wie körperlichen Ausnahmezustand manövriert.
Mit Gemalte Feuer von Eva Hegge ging es weiter. Es ist ein kurzer Roman über eine Frau und ihre Auseinandersetzung mit dem eigenen Kinderwunsch. Die Perspektive bleibt hier trotz Ich-Erzählerin eher außerhalb der Gedanken und bei ihrem Handeln, das ein zerstreutes Bild auf die Innenwelt zurückwirft. Die Diskrepanz von Außen und Innen machen diesen Roman interessant, bei dem eigentlich alles zwischen den Zeilen passiert.
Dann habe ich noch Alice von Marlen Mairhofer gelesen. Weckt das Cover gleich Assoziationen zu Alice im Wunderland, bleibt der Text ganz gegenwärtig und lehnt sich eher strukturell beim großen Vorbild an. Der Roman besteht aus Prosaminiaturen, die das Leben Alice’ als typisches spätes Millenial-Mädchen schildern. So ergibt sich ein Erzählmosaik, das zusammen ein Bild vom Leben im Patriarchat zeichnet, das in kleinen Strichen aber auch den Ausbruch zumindest anreißt.
Last but not least habe ich Öffentlicher Nahverkehr von Thea Mengeler gelesen. Ich mochte ihr Debüt Nach den Fähren sehr gerne, und so auch nun den zweiten Roman. Es geht um Social Media und Revenge Porn, eine heikle Mischung, die so zeitgeistig ist, dass es gezwungen wirken könnte. Aber die gelungene Form lässt den Roman nicht unter die (Bus-)Räder kommen (kleiner Insider zum Schluss).
Gesehen
JULIANE: Unsere Friends, mit denen wir im Dänemark-Urlaub waren, konnten nicht fassen, dass ich Romeo und Julia mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes aus dem Jahr 1996 noch nie gesehen hatte. Also wurde er zusammen geschaut. Und wow – das war ein wilder, guter Ritt und gar nicht schlecht gealtert. Wieder eine Kulturlücke erfolgreich geschlossen.
STEFAN: Im August habe ich Urlaubs-Prime-bedingt mal wieder ein paar Filme geschaut. Zunächst den ruhigen Horrorfilm Nocturne von 2020 mit Sydney Sweeney in der Hauptrolle. Es geht um die Konkurrenz zwischen Zwillingsschwestern, zwischen Student*innen an einer Elite-Musikschule und um ein unheimliches Notizheft, das die Zukunft vorherzusagen scheint. Ruhig und ohne den großen Horror, aber spannend und gut erzählt!
Und dann habe ich noch Ready or not von 2019 angeschaut, ein Horror-Slasher der lustigeren Sorte, aber trotzdem spannend und gut! Es geht um eine Familie, die durch Karten- und Brettspiele zu großem Reichtum gekommen ist, hinter dem sich aber ein dunkles Geheimnis verbirgt, welches bei der Hochzeit des jüngsten Sohnes gewaltvoll nach außen bricht. Samara Weaving ist großartig in der Hauptrolle des unfreiwilligen Racheengels.
Gehört
JULIANE: Es ging für mich mal wieder auf ein Kraftklub-Konzert. Ausverkauft und open air in der Berliner Wuhlheide. Für mich schon jetzt ein absolutes Konzerthighlight 2026. Kann die Shows der fünf Karl-Marx-Stadt-Boys immer sehr empfehlen und das aktuelle Album sowieso.
STEFAN: Das Kind entdeckt gerade die Musik für sich, was richtig toll ist. Auf langen Autofahrten gab es dann auch gleich Kinderlieder für alle. Egal, ob die Spinne Martha, Anne Kaffeekanne, Bruder Jakob oder Die Eule mit der Beule, alle müssen mit. Meine persönliche Favoriten sind aber der Körperteile-Blues und Bauleiter Klaus, auch wenn Letzterer für das Kind, glaube ich, doch eher verwirrend ist. Mir geht er seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf.
Gemacht
JULIANE: Ein großes Urlaubshighlight war für mich der Besuch des Museums ARoS in Aarhus und sowieso die ganze Stadt. Ich möchte auf jeden Fall nochmal einen längeren Städtetrip dorthin machen.
STEFAN: Was war da noch gleich im August? Ach ja, Urlaub! Wir waren im dänischen Nordwesten, der wohl auch der wilde Westen Dänemarks genannt wird. Schöne raue Landschaften, unendliche Strände mit zerklüfteten Dünen – die Gegend hatte richtig viel zu bieten. Mit Fårup Sommerland war auch ein Freizeitpark dabei, der uns allen richtig viel Freude bereitet hat. Heftige Achterbahnen und ganz viele kindergerechte Attraktionen waren der Knaller.
