Kapitalismus und Katastrophe: Asta Olivia Nordenhof schreibt in Geld in der Tasche über Frauen in Zeiten des Kapitalismus und läutet eine harte Heptalogie ein.

Maggie und Kurt sind ein Paar, verheiratet sind sie, haben eine Tochter. Doch was hält sie eigentlich noch zusammen? Nur selten treffen sie sich noch in ihrem Alltag, sind entfremdet, jede*r in der eigenen Welt gefangen, abgetaucht. Kurt auf der Jagd nach dem schnellen Geld, um der Armut, die beide schon ihr Leben lang begleitet, zu entkommen. Maggie auf der Suche nach sich selbst, die sie verloren oder vielleicht sogar nie wirklich gefunden hat, wurde sie doch sehr jung Mutter und musste sich immer mehr um andere kümmern als um sich selbst.
Geld in der Tasche von Asta Olivia Nordenhof ist der Auftakt einer auf sieben Bände angelegten Romanreihe, die die Tragödie der Scandinavian-Star-Fähre von 1990 zum Anlass nimmt, um über die tödlichen Abgründe des Kapitalismus zu schreiben – aus einer dezidiert feministischen Perspektive. Die Geschichte in diesem ersten Roman zeigt die Armut der Herkunft von Maggie und Kurt, zeigt, wie diese ihre Leben und die Beziehung zueinander strukturiert und immer weiter zerstört. und er zeigt auch, wie Kurt in die Tragödie der Scandinavian Star verwickelt wird.
Kurze, trostlose Sätze prägen den ebenso kurzen Roman, die Sprache hat etwas Lyrisches, das die blanke Hilflosigkeit und das Elend der Figuren übersteigt, ohne sie zurückzulassen. Ein sehr vielversprechender Auftakt, dem in Kürze auch schon Das Teufelsbuch als zweiter Teil folgt.
Asta Olivia Nordenhof: Geld in der Tasche | claassen | Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein | 176 Seiten | 24 Euro | Erschienen im März 2026
Disclaimer: Ich arbeite bei den Ullstein Buchverlagen, zu denen auch claassen gehört. Die Rezension spiegelt allein meine private Meinung wider.
