Dänischer Dreier: In Die Austernfischerin von Celine Edinger geht es um eine unerwartete Annäherung in der ländlichen Einsamkeit.

Lydia und Hendrick fahren endlich mal raus aus der Stadt, in einen gemeinsamen Urlaub. Und zwar zu seiner Mutter Elna, die allein an der dänischen Nordseeküste in einem großen Haus lebt, in dem Hendrick auch aufgewachsen ist. Als er nach kurzer Zeit die Nachricht bekommt, durch eine wichtige Prüfung gefallen zu sein und er damit den Urlaub durchlernen muss, ist Lydia plötzlich auf Elna zurückgeworfen. Doch die beiden verstehen sich besser als gedacht, während die Beziehung zu Hendrick immer weiter bröckelt.
Die Austernfischerin von Celine Edinger ist ein sehr ruhiger Roman, der ganz von der Atmosphäre lebt. Das Kammerspiel der drei im kleinen Haus vereinten Protagonist*innen wird von Lydia aus der ersten Person erzählt, sodass ihre Perspektive im Vordergrund steht. Doch sie ist eine unzuverlässige Erzählerin, will vieles nicht wahrhaben, was sich immer deutlicher in ihr und um sie herum abzeichnet.
Der Roman bringt Form und Inhalt sehr gut zusammen, die Ruhe und Einsamkeit der dänischen Einöde spiegeln sich wunderbar in Lydias kurzen und Elnas noch viel spärlicheren Sätzen. Ihre Annäherung ist sehr langsam und unverhofft, was ein leichtes Knistern erzeugt – für meinen Geschmack hätte der Roman aber doch ein klein wenig mehr Inhalt gebrauchen können, für mich tragen die weibliche Annäherung und die gleichzeitige Entfernung des eigentlichen Paars voneinander nicht ganz durch die gut 200 Seiten.
Celine Edinger: Die Austernfischerin | Kein & Aber | 208 Seiten | 23 Euro | Erschienen im Juli 2026
