Freiheit und Flucht: Der neue Roman Iris von Laura Freudenthaler zeigt eine Frau und ihr höchst bewegtes Leben, in dem Ruhe eine absolute Ausnahme ist.

Iris ist Autorin, gut vernetzt in allen Belangen, immer unterwegs. Sie fährt durch Europa und die Welt von Lesung zu Gespräch, von Diskussion zu Workshop und Aufenthaltsstipendium. Dabei trifft sie immer wieder Bekannte, unterhält Affären an allen möglichen und unmöglichen Orten. Sie scheint nie allein zu sein; doch die einzige echte Konstante ist die ständige Bewegung. Mit Anton hat sie auch so etwas wie eine feste Beziehung, in der eine andere Form von Ruhe möglich scheint – und zwar ihre komplette Selbstaufgabe in SM-Spielen.
Iris von Laura Freudenthaler bewegt sich wie schon der Vorgänger Arson nicht wirklich auf der Handlungsebene. Zeigt diese in erster Linie die selbstbestimmte Unabhängigkeit der Protagonistin, wird nebenbei eine ganz andere Geschichte erzählt. In ihren Lektüren, vor allem zu Hexenprozessen, ihrem Sex, den Einblicken in den Literaturbetrieb, ihren flüchtigen Eindrücken und Erinnerungen läuft eine Geschichte patriarchaler Gewalt mit, als deren ambivalenter Gegenwartspunkt Iris gelesen werden kann.
Der Roman ist dabei formal überaus anspruchsvoll. Jedes Kapitel besteht aus nur einem einzigen Satz, der über viele Seiten ausgedehnt und verschachtelt wird. Das ist zu Anfang sperrig, fügt sich dann aber wunderbar in das Bild der ständigen Bewegung ohne jede Pause – Iris’ Leben.
Laura Freudenthaler: Iris | Jung und Jung | 176 Seiten | 24 Euro | Erschienen im Februar 2026
