Hendrik Otremba: Der Gräber

Die Welt ohne uns: In Der Gräber von Hendrik Otremba stirbt die Menschheit im 22. Jahrhundert aus und verlässt die Erde. Nur der Protagonist entscheidet sich zu bleiben.

Hendrik Otremba, Der Gräber, Cover

Die Welt ist eine andere geworden. Im 22. Jahrhundert ist die Erde zur Wüste verkommen, gezeichnet von zahllosen Konflikten und Jahrhunderten des rücksichtslosen Raubbaus ist sie ausgelaugt, ausgetrocknet – am Ende. Die Menschen haben ihrem neuen, lebensfeindlichen Antlitz den Rücken zugewandt und sind geflüchtet. Sie leben nun auf Nektar II, einem weit entfernten, erdähnlichen Planeten. Fähre für Fähre sind sie geflüchtet, um eine neue Zivilisation aufzubauen.

Doch nicht alle konnten sich die Flucht leisten. So dezimierten sich durch die widrigen Verhältnisse die Zurückgebliebenen immer weiter, bis nur noch eine Handvoll Menschen zurückbleibt. Oswalth Kerzenrauch ist einer von ihnen. Aus ungeklärten Umständen ist er unsterblich und schon seit hunderten von Jahren auf der Erde, hat ihren Niedergang lange verfolgt und möchte sie nicht verlassen. Als Canta Luna mit der letzten Fähre von Nektar II zur Erde kommt, um diese zu studieren, treffen sich die beiden, und eine Liebesgeschichte am Ende des Planeten beginnt.

Der Gräber von Hendrik Otremba ist ein Roman voller Themen. Da ist zunächst natürlich die dystopische Welt des 22. Jahrhunderts, dann die Geschehnisse des 21. Jahrhunderts, die sich langsam auftun. Aber dann geht es auch um elterliche Liebe, partnerschaftliche Liebe, soziale Ungleichheit, Raubbau an der Natur, durchgedrehte Tech-Milliardäre, eine Welt nach dem Menschen. Oswalth Kerzenrauch steht dabei immer im Mittelpunkt, durch seine Unsterblichkeit kann der Roman in seiner Betrachtung weit zurück in die Vergangenheit gehen und ein sehr großes zeitliches Panorama zeichnen.

Für mich wirkte der Roman dadurch im Ganzen aber eher überfrachtet, was durch seine etwas repetitive Sprache und Struktur noch verstärkt wird. Denn die atmosphärischen Schilderungen der post-apokalyptischen Welt geraten oft zu lang, die Themen wiederholen sich, ohne Neues hinzuzufügen. Das trübt den Eindruck eines Romans, der an sich alles bietet, was eine gute Dystopie braucht. Mit etwas mehr Konzentration auf das Wesentliche wäre der Roman für mich ein klares Highlight gewesen, aber dafür reicht es so leider nicht.

Hendrik Otremba: Der Gräber | März | 274 Seiten | 24 Euro | Erschienen im Februar 2026

Kategorie Blog, Indiebooks, Rezensionen

Ich bin im Niemandsland von NRW zwischen Tagebauten und Kraftwerken aufgewachsen, da gab es nur wenige Argumente gegen ausgiebiges Lesen, um der Tristesse zu entkommen. Dann ging es nach Aachen, später nach Köln, dann nach Göttingen und nun lebe ich in Berlin und arbeite als Buchhersteller. Nebenbei spiele ich noch in Bands, meine zweite Leidenschaft ist ganz klar die Musik! Oder doch Kochen und Essen? Schwer zu sagen.

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