Und sonst so? [Monatsrückblick April 2026]

Der April macht seinem Ruf wettertechnisch alle Ehre, zum Ende hin startet er so richtig ins sonnige Frühjahr. Gleichzeitig beginnt das literarische Frühjahr, während aber auch schon die Herbstvorschauen reinflattern. Viel los! Was sonst noch so passiert ist im April, lest ihr hier.

Gelesen

JULIANE: Nachdem Stefan und ich im März die Dokumentation Siri Hustvedt – Dance Around the Self geschaut und geliebt haben, musste ich im Anschluss direkt mit Ghost Stories (Ü: Grete Osterwald, Uli Aumüller) beginnen. Ein Buch über so vieles: Siri Hustvedts Leben, Paul Austers Leben, Siris und Pauls Geschichte, Trauer, Schreiben, Familie, Liebe, Literatur, Feminismus, New York und die USA. Ich habe es geliebt und es wird für immer und ewig einen Platz in meinem Herzen und im Regal direkt neben Joan Didions Büchern haben.

Dann war ich im April Teil eines Buchclubs, den ich für die Arbeit selbst mit organisiert habe: Für den DuMont Verlag haben wir einen Abend zu Unter Wasser (Ü: Simone Jakob) von Tara Menon in den Räumlichkeiten von Kirchner Kommunikation ausgerichtet. Das war mal wieder so schön, der Live-Austausch zu einem Buch mit anderen Menschen macht einfach Spaß. Und Unter Wasser ist einfach ein wirklich tolles Buch, das habe ich an dem Abend nochmal gemerkt. Es gibt zwei Zeitebenen: New York 2012 und Thailand 2004. Zwei Jahre, die von Naturkatastrophen geprägt waren. In beiden bewegt sich Hauptfigur Marissa und verknüpft die Ereignisse miteinander. Unter Wasser ist ein sprachlich besonderes Buch über Freundinnenschaft, Trauer und die Entfremdung des Menschen von der Natur.

STEFAN: Ich habe den April mit Nuran David Calis und seinem neuen Roman Rausch begonnen. Das Buch folgt dem Protagonisten Ufuk durch seinen Alltag, während in Rückblenden seine Familiengeschichte erzählt wird. Es geht um Flucht, Rassismus und postmigrantische Identität, teilweise sind die Episoden bedrückend real geschildert. Für mich kommt der Roman als solcher aber nie richtig zusammen, irgendwie fehlt es an einer stringenten Form, um all dem geschilderten Leid einen Rahmen zu geben.

Danach kam der mittlerweile schon dritte Roman von Lukas Rietzschel, Sanditz. Hier steht eine ostdeutsche Kleinstadt im Vordergrund, und in dieser vor allem Familie Wenzel. In verschiedenen Strängen läuft der Roman durch die 1980er-Jahre auf die Wende zu und erzählt gleichzeitig die frühen 2020er-Jahre mit ausklingender Corona-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Ein Roman voller guter Figuren und Zeitgeschichte, der nicht versucht, einfache Erklärungen zu geben, sondern in der Ruhe der Beobachtung seine Schönheit findet.

Gesehen

JULIANE: Stefan hat mich zur Netflix-Serie Unfamiliar überredet und ich war erst etwas unmotiviert, konnte dann aber gar nicht mehr aufhören. Die Spionage-Thriller-Serie dreht sich um das ehemalige BND-Agentenpaar Meret und Simon Schäfer, die eigentlich ausgestiegen sind, mittlerweile gutbürgerlich in Berlin mit ihrer Tochter leben und ein Restaurant betreiben. Aber wie das in solchen Serien immer so ist: Etwas aus der Vergangenheit ist noch ungeklärt und holt die beiden jetzt ein. Spannung pur und Binge-Watch-Potenzial!

STEFAN: Im April bin ich mal wieder auf den Reality-Trichter gekommen und habe mich Rosins Restaurants zugewendet. Ich mag ja Kochshows, die Verbindung mit der geschäftlichen Seite von Restaurants finde ich auch interessant. Die neueren Staffeln sind gut und menschlich erzählt, das kann man schön nebenbei laufen lassen.

Gehört

JULIANE: Ich bin in den letzten Monaten eine passionierte Hörbuch-Hörerin geworden. Vor allem für Sachbücher gefällt mir dieses Medium sehr gut. Im April habe ich den Ratgeber Bist du sauer auf mich? Wie du aufhörst, anderen gefallen zu wollen und endlich dein Leben lebst (Ü: Maria Mill) gehört und der Untertitel sagt eigentlich schon alles. Die Psychotherapeutin Meg Josephson hat hier sehr dicht und präzise ein Sachbuch für alle vorgelegt, die sich schon immer fragen, warum sie eigentlich solche People Pleaser sind. People Pleasing ist nämlich keine Charaktereigenschaft, sondern eine Traumareaktion, die meistens aus der Kindheit herrührt, so die These von Josephson. Für mich sehr erhellend und mit praktischen Tipps, falls man mal wieder in die People Pleasing-Gedankenspirale gerät.

Und dann habe ich noch ein kurzes und sehr amüsantes Buch gehört: Opernball von Stefanie Sargnagel. Die österreichische Autorin, deren Humor ich schon seit jeher sehr mag, war zu Besuch auf dem Wiener Opernball und berichtet in diesem knapp 90-minütigen Hörbuch davon. Entstanden ist eine bissige und vor allem für die Haute­vo­lee des Landes entlarvende Groteske – perfekt fürs fiese Kichern zwischendurch.

STEFAN: Irgendwie bin ich auf das erste Weakerthans-Album von 1999 gekommen, Fallow. Ich hatte es zuvor immer etwas stiefmütterlich behandelt, weil es im Gegensatz zu den sehr voll produzierten Nachfolgern erst auf den zweiten Blick seine Stärken ausspielt. Das habe ich jetzt nachgeholt. Das Songwriting ist noch nicht ganz so ausgefeilt wie auf den späteren Alben, dafür liegt hier eine etwas rohere Kraft im Sound, die mit der Zeit richtig aufgeht.

Gemacht

JULIANE: Im April gab es viele schöne Erlebnisse – den ersten Kuchen in der Sonne essen, übers Tempelhofer Feld radeln, während das Kind hinten im Sitz wegschlummert, die Biergartensaison eröffnen und zahlreiche Spielplatzdates. Als Event sticht bei mir ganz klar der Besuch des neuen Musicals Wir sind am Leben im Theater des Westens in Berlin hervor. Ich liebe die Musicals von Peter Plate und Ulf Leo Sommer ja sowieso, und hiermit haben sie nach Ku’damm 56 und 59, Romeo & Julia und Die Amme für mich ein weiteres Must-see auf die Bühne gebracht. Die Songs, die Message, die Choreos – alles top, großes Highlight!

STEFAN: Zu Ostern machen wir mittlerweile immer einen Ausflug, es ging wieder mal in den Harz. In Stolberg konnten wir reichlich Fachwerk bestaunen, mit einer echten Dampflok fahren, aber auch viel Zeit auf schönen Spielplätzen verbringen – zum Glück mit großelterlicher Unterstützung. Dabei ist uns aber auch mal wieder aufgefallen, was für ein kulinarisch schwarzes Loch der Harz eigentlich ist. Einfach krass! Unser Hotel war glücklicherweise mit einem wunderbaren Restaurant ausgestattet, das uns in der Hinsicht gerettet hat. Dazu gab es auch noch zwei schicke Saunen, die Juliane und ich an den Nachmittagen durchgängig genutzt haben. Perfekt!

Kategorie Blog, Mischmasch

Ich bin im Niemandsland von NRW zwischen Tagebauten und Kraftwerken aufgewachsen, da gab es nur wenige Argumente gegen ausgiebiges Lesen, um der Tristesse zu entkommen. Dann ging es nach Aachen, später nach Köln, dann nach Göttingen und nun lebe ich in Berlin und arbeite als Buchhersteller. Nebenbei spiele ich noch in Bands, meine zweite Leidenschaft ist ganz klar die Musik! Oder doch Kochen und Essen? Schwer zu sagen.

Kommentar verfassen