Uni und aus: Benjamin im Stroboskop von Bernard Hoffmeister führt in die Abgründe des akademischen Mittelbaus, der seine Mitglieder ausquetscht – wie den Protagonisten Benjamin.

Benjamin lebt auf eine gewisse Weise seinen Traum. Er hat eine Stelle an der Uni in Düsseldorf, promoviert zu seinem akademischen Idol Walter Benjamin und kann sich nebenbei auch noch beim Poetry Slam austoben. Er ist in einer sicheren Beziehung – und sein Alkoholkonsum ist gemessen an seinem Milieu durchschnittlich.
Benjamin im Stroboskop von Bernard Hoffmeister ist die Geschichte seines Zusammenbruchs. Es gibt nicht den einen Auslöser, nicht die eine traumatische Situation, die in Benjamins ganz persönlichen Untergang führt, sondern viele kleine schlechte Entscheidungen, ungünstige äußere Entwicklungen und sonstige Fehltritte, die das Fass zum Überlaufen bringen.
Der Roman erzählt all dies in einer an Benjamins Promotionsgegenstand, Walter Benjamins Passagenwerk, angelehnten Form, die Fragmente aneinanderreiht. So setzt sich ein Erzählmosaik aus verschiedenen Textsorten, Zeitlinien und Perspektiven zusammen, das Stück für Stück immer ein klein wenig mehr über das Geschehen verraten. Das ist bisweilen witzig und gerade für Menschen im akademischen Mittelbau bezeichnend, für mich fehlte dem Ganzen aber etwas der erzählerische Zug, was durch den ironisch distanzierten Stil nochmal verstärkt wird. Wer sich für Unibetrieb und Poetry Slam interessiert, kommt hier aber sicher auf seine Kosten.
Bernard Hoffmeister: Benjamin im Stroboskop | Satyr | 262 Seiten | 24 Euro | Erschienen im März 2026
