Klima und Kunst: In Nach der Sonne schauen erzählt Martina Hefter so leicht wie nachdenklich von Einsamkeit, Klimawandel, künstlicher Intelligenz und der immerwährenden Suche nach dem eigenen Weg.

Nach dem Eklat um eines ihrer Kunstwerke zieht sich die Installationskünstlerin Iona aufs Land zurück. In einer abgelegenen Halle im Leipziger Neuseenland findet sie Unterschlupf. Sie will sich wieder finden, darüber nachdenken, wie sie mit dem Eklat umgehen will. Und auch an einem neuen Projekt arbeiten, etwas richtig Großem. Die Einsamkeit soll ihr helfen, sich wieder zu fokussieren, die Kunstwelt auszublenden.
Doch die Einsamkeit ist nicht so tief wie gedacht. Ein KI-Hund lebt auf einem Bildschirm in der Halle, ein echter Hund läuft ihr zu und dann kommt auch noch die Nichte des Vermieters, um auf unbestimmte Zeit zu bleiben. Iona navigiert durch die sich ändernden Konstellationen, doch das eigentliche Ziel rückt immer weiter von ihr weg.
Nach der Sonne schauen von Martina Hefter ist ein ruhiger Roman, der die Protagonistin Iona ganz in den Fokus nimmt. Aus der ersten Perspektive erzählt sie ihren Versuch der Flucht aus der bedrängenden Gegenwart, die sie aber aus unterschiedlichen Winkeln immer wieder einholt und geradezu umzingelt.
Wie schon im Buchpreis-Gewinner-Roman Hey guten Morgen, wie geht es dir? von 2024 streift der Text dabei verschiedene Themen und schafft es, sie in ein Gespräch miteinander zu bringen. So entsteht ein lebendiger Text über unsere Gegenwart mit den Herausforderungen des Klimawandels, der KI-Revolution und der großen Frage, was das richtige Leben in all dem sein soll. Ein ruhiger, besonnener und doch kurzweiliger Roman, der nachhaltig überzeugt.
Martina Hefter: Nach der Sonne schauen | Klett-Cotta | 272 Seiten | 25 Euro | Erschienen im Oktober 2026
